10tacel - Entwickler auf Expansionskurs
Der noch junge Entwickler 10tacel hat sich durch eine Beteiligung an Reakktor unter die Top-Drei-Entwickler Deutschlands katapultiert. games.markt sprach mit Michele Pes, CEO von 10tacel, über neue Strategien und die deutsche Entwicklerszene.
gm: 10tacel wurde im August 2003 gegründet. Mit welchen Absichten?
Michele Pes: Wir sind Gamer. Und da es im Moment in Deutschland relativ wenig gut aufgestellte Publisher und Entwicklerstudios gibt, wollen wir in Eigeninitiative dafür sorgen.
gm: Wird 10tacel vorrangig als reiner Entwickler oder als Copublisher auftreten?
Pes: Wir sehen unsere Stärke darin, die Interessen von Entwicklern und Publishern zusammenzubringen. Wir fungieren intermediär. Verfolgt man Gespräche zwischen Entwicklern und Publishern, so hat man häufig das Gefühl, der eine spreche Chinesisch, der andere Türkisch. 10tacel will dolmetschen.
gm: Werden Sie sich auf bestimmte Genres spezialisieren?
Pes: Wir sind offen für alle Plattformen und Genres. Wir bewegen uns hier in einem Hitgeschäft. Das bedeutet, dass man potenziell den einen oder anderen Flop landet. Doch wir verlassen uns auf unser,Bauchgefühl' und sind sicher, auch so manchen Hit landen zu können.
gm: Mit dem Kauf eines Mehrheitsanteils an Reakktor ist 10tacel plötzlich in die Liga der deutschen Topentwickler aufgestiegen. Welche strategische Bedeutung hat die Mehrheitsbeteiligung für 10tacel?
Pes: Schon an den strategischen Allianzen, die 10tacel geschlossen hat, sieht man, dass wir dem Thema Onlinegames eine große Bedeutung zumessen. Mit der Münchner EWS-Gruppe verfügen wir über strategischen Zugang zu einem der stärksten Bezahlsystemanbieter weltweit: Im Onlinesegment sehen wir eindeutig die Zukunft.
Die Zukunft liegt im Onlinesegment
gm: Wie finanziert 10tacel die derzeit massive Expansion?
Pes: Wir haben eine Gruppe finanzstarker Hamburger Geschäftsmänner sowie strategische Partner in München gefunden.
gm: Deutschen Spieleentwicklern wird in der Öffentlichkeit, aber auch innerhalb der Branche nur wenig Beachtung geschenkt. Wie beurteilen Sie diese Tatsache? Inwiefern erschwert das Image der deutschen Entwicklerszene vielleicht auch das Erreichen Ihrer Ziele?
Pes: 10tacel ist national und international mit Studios aufgestellt. Wir haben uns aber bewusst für den Standort Deutschland entschieden und arbeiten auch gern mit deutschen Teams zusammen. Ich halte die deutschen Entwickler für exzellent. Allerdings muss man auch ganz klar sehen, dass die Marktbedingungen alles andere als vorteilhaft sind. Wo der eine schon Licht am Ende des Tunnels sieht, findet man bei näherer Betrachtung nur das Licht des morgendlichen ICEs.
gm: Mit Northstar und G.A.M.E. gibt es bereits zwei regionale Entwicklerverbände. Überlegungen für einen Bundesverband werden bereits angestellt. Für wie wichtig halten Sie die Gründung einer solchen Interessensvertretung?
Pes: Ich halte ein solches Forum sicher für interessant. Die Frage ist jedoch: Welches Ziel verfolgen einzelne Teilnehmer mit einer solchen Plattform? Als reinen Selbstzweck erkenne ich darin keinen Sinn. Dient sie jedoch dazu, klaren Zielsetzungen zu folgen und Visionen zu realisieren, sind wir gern dabei.