"Ansprüche täglich neu definieren"

Macht sich stark für die Spielebranche - der VUD
Macht sich stark für die Spielebranche - der VUD © None

Seit zehn Jahren steht der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland, kurz VUD, im Dienst der Gamesbranche. Im Gespräch: Die Geschäftsführer Ronald Schäfer und Hermann Achilles.

» Zehn Jahre VUD - wie lautet Ihre Bilanz?

Hermann Achilles: Zehn Jahre Verband lassen sich vielleicht so zusammenfassen: Es gibt eine Vielzahl von kleinen Steps oder Milestones über diese Zeit, die in der Addition zu dem geführt haben, was der VUD heute für die Mitglieder, die Medien, die Politik und die Öffentlichkeit ist -- die kompetente Vertretung, die die gemeinsamen Interessen dieser Branche bündelt und wirkungsvoll vorantreibt.

Ronald Schäfer: Der VUD hat in diesen zehn Jahren mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen und musste sich ebenso schnell entwickeln wie die Industrie, die er vertritt. Dieser Prozess war nicht immer einfach und ist vor allem noch lange nicht abgeschlossen.

» Was waren die wichtigsten Meilensteine für den VUD?

Achilles: Jede Entscheidung hat für sich gesehen immer eine große Bedeutung. Ohne eine Rangliste zu erstellen, hat die Verbandsarbeit dazu geführt, dass die Mitglieder sich mit der GVU geschlossen gegen die Piraterie stellen. Durch ihre Treue haben sie dazu beigetragen, dass die USK jetzt als Selbstkontrolle bei der Umsetzung des JuSchG tätig wird und dass mit der GC - Games Convention der seit vielen Jahren angestrebte nationale Messeevent zum Erfolg wurde.

» Welches war das positivste Ereignis in diesen Jahren?

Schäfer: Die vom Kollegen Achilles genannten Bereiche stehen sicherlich gleichberechtigt auf einer Stufe. Sehr oft unbeachtet bleibt jedoch der Umstand, dass sich der VUD in diesen zehn Jahren zum kompetenten Ansprechpartner auch und gerade für politische Instanzen entwickelt hat. In vielen Themenbereichen wird der Verband mittlerweile um seine Meinung gefragt und kann die Interessen der Industrie zum Ausdruck bringen. Nicht immer, aber immer öfter, findet diese Meinung auch Gehör.

» Was sind derzeit die wichtigsten Themen für den VUD?

Achilles: Trotz GVU und neuer Gesetze ist die Softwarepiraterie weiterhin eines der Schwerpunktthemen. Damit einher geht das Bestreben, interaktive Unterhaltung als "Kulturgut" zu etablieren. Bei der medialen Freizeitgestaltung müssen Games nicht nur für Powergamer zu einer festen Option neben dem DVD-/Videoabend, dem Kino- oder Diskobesuch o. Ä. werden. Da gilt es neue Nutzergruppen aller Altersklassen und Geschlechter ans Gaming heranzuführen.

Schäfer: Das Bild der Produkte unserer Industrie in der breiten Öffentlichkeit ist nach wie vor und trotz der bisherigen Tätigkeit des Verbands sehr stark geprägt von Vorurteilen, die im Wesentlichen auf Unkenntnis beruhen. Über Bücher, Musik und Filme wird unter Umständen zwar kritisch, aber sachlich und inhaltlich diskutiert - bei PC- und Konsolenspielen ist das leider noch nicht der Fall. Hier zu einer Gleichbehandlung und zu gleicher gesellschaftlicher Akzeptanz zu kommen ist die Herausforderung, der sich Industrie und Verband stellen müssen.

» Und was passiert aktuell diesbezüglich?

Achilles: Da wird natürlich zuerst analysiert und dann überlegt, wie und mit welchen Mitteln man an diese Aufgaben herangehen muss, welche "Verbündete" ähnliche Ziele verfolgen, um dann Synergien zu erzeugen. Es zeichnen sich aber erste Ansätze und Strategien ab.

Schäfer: Und da dies hinter den Kulissen geschieht, können wir darüber nicht vor den Kulissen reden. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass es sich hierbei einerseits nicht um eine Entwicklung handeln wird, die über Nacht eintritt, und andererseits Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels nur dann sinnvoll sind, wenn sie eine nachhaltige Wirkung haben.

» Wie hat sich das Aufgabenspektrum des Verbands im Lauf der Zeit verändert?

Achilles: Wenn man die "Überschriften" von vor zehn Jahren mit denen von heute vergleicht, lauten diese überwiegend ähnlich. Nur, mit einem neuen Gesetz ist weder die Verpflichtung zum Jugendschutz erledigt, noch gibt es keine Piraterie mehr, nur weil man die GVU nutzt. Ebenso darf ein erster Erfolg der GC nicht dazu verleiten, sich zurückzulehnen. An jedem Tag werden die Ansprüche bei all diesen Themen neu definiert, und wir alle sind gefordert, immer wieder neue Antworten zu finden.

» Wie wichtig sind inzwischen internationale Aufgabenstellungen für den Verband?

Schäfer: Ein Aufgabenbereich, der bei der Gründung des VUD so wohl gar nicht gesehen wurde. Fairerweise muss man natürlich sagen, dass etwa die Europäische Union in den letzten zehn Jahren eine ungeheure Entwicklung erfahren hat. Sie hat sich von der reinen Wirtschaftsunion zu einer politischen Union gewandelt. Mehr und mehr gesetzgeberische Tätigkeit beginnt heute auf europäischer Ebene, wo die Rahmen gesetzt werden, innerhalb derer sich der nationale Gesetzgeber zu bewegen hat. Um bereits Einfluss auf die Rahmengestaltung nehmen zu können, muss ein Verband auf europäischer Ebene präsent sein. Wir sind dies, zusammen mit unseren Schwesterverbänden, im Rahmen der ISFE.

» Welche Bedeutung hat dabei die Einbindung des VUD in internationale Organisationen?

Achilles: Da ist Kollege Schäfer als "Praktiker" bei der ISFE vor Ort in Brüssel der kompetentere Ansprechpartner. Grundsätzlich glaube ich aber, dass der VUD als deutsche Vertretung im europäischen Kontext schon eine gewichtige Position haben sollte.

Schäfer: Natürlich, der VUD repräsentiert innerhalb der ISFE die Industrie eines der nach wie vor wichtigsten Märkte in Europa. Aber es geht weniger um die Wahrnehmung von deutschen Interessen als von Industrieinteressen in einem internationalen Kontext. Und hier ist es in aller Regel so, dass bei den auf dieser Ebene anstehenden Probleme sich die Interessen weder der englischen oder der französischen Industrie von denen der deutschen Industrie noch die der Umsatzstärkeren von denen der Umsatzschwächeren unterscheiden. Bei der Wahrnehmung gemeinsamer Industrieinteressen auf europäischer Ebene kommt daher der ISFE, und damit auch der Einbindung des VUD in diese Organisation, eine entscheidende Bedeutung zu.

» Stichwort GC. Wie wichtig war für den Verband der Erfolg der Premierenveranstaltung?

Achilles: Die GC hat gezeigt, was mit einer gemeinschaftlichen Anstrengung möglich ist und was diese Branche dann bewegen kann. Wir haben erstmal ein wirklich eigenständiges Profil gezeigt - und das in einem Jahr, wo mit Erfurt und der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung die Vorzeichen nicht gerade als rosig zu bezeichnen waren. Wir wissen aber auch, was wir alles noch verbessern müssen, und darum freuen wir uns über den Erfolg, nehmen ihn aber noch mehr als Ansporn.

» Welche Bedeutung hat oder kann die GC für den schwächelnden deutschen Markt haben?

Schäfer: Einem einzelnen Ereignis, insbesondere einer Veranstaltung wie der GC, einen unmittelbaren Einfluss auf den Umsatz zurechnen zu wollen muss sich im Bereich der Spekulation bewegen, an der wir uns nicht beteiligen sollten. Eins steht jedoch fest: Für die Weiterentwicklung des Markts, für die Erschließung neuer Zielgruppen und für die Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz der Produkte der Industrie ist die GC ein unverzichtbares Forum. Hier stellt sich diese Industrie als das dar, was sie wirklich ist: ein unverzichtbarer Teil der Unterhaltungsindustrie des 21. Jahrhunderts. Diese Message einem breiten Publikum zugänglich zu machen, muss auch positive Auswirkungen auf die Umsatzentwicklung haben.

» Die Schwerpunkte der GC wurden u. a. um Hardware und Mobilegaming erweitert. Kommen nun auch neue Firmen für eine VUD-Mitgliedschaft in Frage?

Achilles: Schon in der Nomenklatur 2002 waren diese Bereiche berücksichtigt. Der Erfolg hat dazu beigetragen, dass die Firmen aus diesen Bereichen aufmerksam wurden und jetzt ihrerseits Interesse bekunden und sich im Messekonzept wiederfinden.

Schäfer: Interessen von einzelnen Unternehmen an einer Mitgliedschaft im VUD an der erfolgreichen Durchführung der GC festmachen zu wollen würde sicherlich zu kurz greifen. Ja, die GC ist wichtig für die Industrie und den VUD, macht ihn jedoch allein nicht aus. Der VUD ist in allererster Linie ein Softwareverband - da fühlen sich Hardwarehersteller eher durch andere Organisationen vertreten. Die Info- und Edutainmentsoftware haben wir als Verband in unserem Selbstverständnis immer als Bereiche gesehen, deren Interessen wir vertreten. Hier hat die GC bereits im letzten Jahr als Forum gedient, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen - ob dies zu einer Erweiterung der Mitgliedschaft führt, wird man abwarten müssen. Interessant wird in diesem Jahr in der Tat der Bereich Online- und Mobile-Gaming. Mehr und mehr Unternehmen aus dem Bereich der Telekommunikationsindustrie wenden sich den Inhalten unserer Mitgliedsunternehmen zu - sei es als Developer, Publisher oder neue Distributionsform. Hier wird sich der Verband kurzfristig positionieren müssen, um diesem Bereich eine Integration in den Verband zu ermöglichen.

» Wie lauten Ihre Ziele für die nächsten zehn Jahre?

Achilles: Die wirklichen großen Ziele kommen erst jetzt auf uns zu. Es gilt, die Position im Markt nicht nur zu behaupten, sondern auch auszuweiten. Offensiv die Stärken unserer Produkte und den Nutzen, die Vielfalt sowie den Spaß und die Medienkompetenz, die vom interaktiven Spiel ausgeht, herausstellen; Spiele überall gegenwärtig und verfügbar zu machen; den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der Schöpfung von Spielen transparent machen. Das sollte als Ziel genug Herausforderung für die nächsten Jahre sein.

Schäfer: In unserer Industrie einen Plan für zehn Jahre aufzustellen halte ich für nahezu unmöglich. Natürlich, Kollege Achilles hat Recht, was die Themen der nächsten Zeit betrifft, aber ob das für zehn Jahre reicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Auch glaube ich nicht, dass eine solche "Spökenkiekerei" Sinn macht. Eins meine ich aber zu wissen: Die Entwicklung unserer Industrie wird in den nächsten zehn Jahren genauso schnell vorangehen wie in den vergangenen Jahren. Wenn der VUD in zehn Jahren immer noch die Interessenvertretung dieser Industrie sein will, muss er mit dieser Entwicklung nicht nur Schritt halten, sondern sich hinsichtlich Strukturen und Tätigkeit auf diese auch vorbereiten. Das sind große Herausforderungen, denen wir uns gern stellen. Sie haben in der Vergangenheit den Spaß unserer Tätigkeit ausgemacht und werden dies hoffentlich auch in Zukunft tun.

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