Breitband vernetzt Spielewelten
Die Zahl der Breitbandzugänge in Deutschland nimmt zu. Allein T-Online hat vier Millionen Kunden, die mit T-DSL superschnell im Internet surfen. Breitband wird die Art und Weise, wie Spiele gespielt werden, verändern. Zu den Gewinnern zählen vernetzte Applikationen.
Für die Spieleindustrie bietet die Breitbandtechnologie ein solides Fundament für die Entwicklung von Spielewelten, die weit über das hinausgehen, was wir derzeit kennen. Dies war eines der Ergebnisse der Tagung "Breitband-Perspektiven", die am 4. November auf Einladung des Münchner Kreises stattfand. Chris Deering von Sony Computer Entertainment Europe versprach in München eine "next wave": Spielekonsolen würden über Breitband miteinander vernetzt und seien künftig "Plattformen für Content und Services". Die Interaktionsfähigkeit der Spieleplattformen der nächsten Generation werde ausgeprägter sein als die der heutigen Geräte. Spieler werden sich zu virtuellen Spielegemeinschaften zusammenfinden und über superschnelle Internetverbindungen weltweit miteinander in Wettstreit treten. Sie werden Spielstände und High-Score-Listen austauschen und sich in Netz-Communities treffen.
Games in neuer Dimension
Mobile Breitbandverbindungen über UMTS führen laut Deering dazu, dass Spielekonsolen "portabel" werden. Gleichzeitig wandeln sich die stationären Konsolen zu multifunktionalen Alleskönnern - Deering bezeichnete sie als "Family Activity Center" -, die als Unterhaltungszentralen in den Wohnzimmern stehen werden. Derzeit sei die Schnittmenge der Deutschen, die sowohl eine PlayStation 2 besitzen als auch über einen Breitbandanschluss verfügen, mit 340.000 noch gering - doch der Markt stehe "erst am Anfang", sagte Deering.
Burkhard Graßmann, Vorstand T-Online International, machte deutlich, dass zur Erschließung des Breitbandmarkts neben einer funktionierenden Infrastruktur auch attraktive Inhalte bereitgestellt werden müssen, die dem Nutzer einen klar erkennbaren Mehrwert bieten. "Durch interaktive, rückkanalfähige und On-demand-Applikationen werden neue Formate geschaffen", sagte Graßmann. Durch Breitband ändere sich außerdem das Nutzerverhalten: "Surfer mit DSL-Anschlüssen besuchen viermal so viele Seiten und verbringen die dreifache Zeit im Netz als Nutzer mit einem normalen Modem. Außerdem kaufen sie häufiger ein und sind somit eine sehr attraktive Klientel", so Graßmann. "Entertainment erobert das Internet", prophezeite der T-Online-Vorstand.
Dass sich die Unterhaltungsindustrie dringend neue Geschäftsmodelle einfallen lassen muss, verdeutlichte Prof. Dr. Thomas Hess von der Universität München eindrucksvoll. Der Wirtschaftsinformatiker geht davon aus, dass die hohen Übertragungsraten der Breitbandnetze "die weitere Verbreitung der Tauschbörsen begünstigen". Diese Entwicklung sei jedoch nicht nur ein Bedrohungsszenario, sondern stelle auch eine Chance dar. Beispiele wie Apples iTunes Music Store zeigen, dass mit kostenpflichtigen Downloadangeboten Geld verdient werden kann. In Deutschland werden Breitbandanschlüsse hauptsächlich über herkömmliche Telefonleitungen und ADSL-Technik realisiert, Kabelmodems spielen kaum eine Rolle. Marktführer ist T-Online mit vier Millionen T-DSL-Kunden.