Buchmesse schafft Trendwende
Erstmals seit Jahren wird es auf der Frankfurter Buchmesse 2003 keinen separaten Ausstellungsbereich für Edutainment- und Softwareanbieter geben. Ungeachtet dessen fühlen sich die meisten Non-Game-Publisher auf der Buchmesse bestens aufgehoben und reisen mit hohen Erwartungen nach Frankfurt.
Ähnlich wie die Leipziger Messe im Vorfeld der GC sind auch die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse zufrieden, noch bevor der erste Messebesucher das Gelände überhaupt betreten hat. Der Grund: Auf Ausstellerseite kann eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr verbucht werden. "Damit ist der gefährliche Trend rückläufiger Teilnehmerzahlen gestoppt", konstatiert Buchmesse-Chef Volker Neumann. Bis Anfang September hatten sich bereits 6420 Aussteller, 40 mehr als im Vorjahr, angemeldet. Doch nicht nur für die Buchbranche war und ist Frankfurt der Treffpunkt schlechthin, auch die Anbieter von Info- und Edutainmentsoftware halten der Messe seit Jahren die Treue. Dass die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, zeigte sich nicht zuletzt im vergangenen Jahr, als die so genannte Multimedia-Halle auf Wunsch der Aussteller umzog, um stärker am Messegeschehen partizipieren zu können.
Auf den ersten Blick verwundert es deshalb, dass es in diesem Jahr keinen besonderen Bereich für die Multimediafirmen gibt. Doch eigentlich ist der auch gar nicht notwendig: Bereits in den vergangenen Jahren hatten die meisten Verlage, deren Kerngeschäft im Buchsektor liegt, ihre Doppelpräsenz aufgegeben. Und auch die reinen Softwarefirmen sahen sich besser bei ihren jeweiligen Sachgruppen vertreten als in einer gemeinsamen Multimedia-Halle. Deshalb steht die Branche nach wie vor zur Buchmesse, auch ohne eigene Halle. "Es gibt keine bessere Gelegenheit, den Handel und die Endkunden über aktuelle Neuheiten zu informieren", bringt es Irina Pächnatz, Leiterin der Pressestelle des Berliner Cornelsen Verlags, auf den Punkt. Cornelsen gehe außerdem davon aus, auch 2003 die Messe für zahlreiche Geschäftsabschlüsse nutzen zu können. Nicht weniger zuversichtlich blickt auch Klett der Ausstellung entgegen: "Heureka-Klett hat glücklicherweise trotz der allgemein bestehenden Kaufzurückhaltung der Endkunden eine recht gute Position. Unsere Titel erfreuen sich nach wie vor großer Akzeptanz", sagt Christina Heinisch, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Klett. "Dieses Jahr ist es besonders wichtig, unsere Zuversicht und unser Engagement gerade auch bezüglich unserer Marketingunterstützung im Herbst an unsere Partner zu vermitteln.
Mehr Aussteller, neues Electronic-Publishing-Konzept
" Wie normal ein breites Angebot elektronischer Produkte für die großen Verlagshäuser ist, zeigt sich auch bei Langenscheidt. "Mit Hilfe von elektronischen Produkten können wir noch besser auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen sowie den Lernprozess und -fortschritt jedes Einzelnen eingehen", erklärt Silke Bauer, Leiterin der Redaktion Multimediales Lernen bei Langenscheidt, die Vorteile gegenüber dem Buch. Auch deshalb seien die Softwareangebote für Langenscheidt auf der Frankfurter Buchesse 2003 von großer Bedeutung. Nicht weniger wichtig ist die Messe nach wie vor für Unternehmen der Softwarebranche. "Der Buchhandel ist für Multimediaprodukte ein sehr bedeutender und zuverlässiger Partner. Aus diesem Grund ist die Frankfurter Buchmesse für uns sehr wichtig, um die guten Kontakte zu pflegen und das Jahresendgeschäft gemeinsam zu planen", betont Gabriele Kellerer, PR-Managerin United Soft Media Verlag. Auch sei die Messe ein ideales Forum, um die Produkte zu präsentieren. Und gerade anspruchsvolle Software müsse gezeigt werden, damit sich Kunden wie Handelspartner ein Bild vom Inhalt und der Technik machen könnten.
Dass die Buchmesse nicht nur Informations-, sondern vor allem auch eine Verkaufsmesse ist, kann Terzio-Vertriebsleiter Jürgen Frädrich ebenfalls bestätigen: "Seitdem der Terzio Verlag in der Halle 3.0 untergebracht ist, beobachten wir eine kontinuierliche Steigerung des Messeerfolgs", berichtet Frädrich. Bei so viel Vorschusslorbeeren dürfte auch auf der diesjährigen Buchmesse kaum etwas schief gehen. Gute Chancen haben auch die 2003 neu eingeführten Bereiche, allen voran "Film & TV", den Buchmesse-Chef Neumann als "logische Erweiterung" bezeichnete. Schließlich sei Frankfurt eine Messe von Inhalten, von Content. Und in dieser Funktion müssten auch sämtliche Umsetzungen, vom Buch über die digitalen Medien bis hin zum Film, erfasst werden.