CDV beschließt umfangreiche Maßnahmen zur Restrukturierung

CDV beschließt umfangreiche Maßnahmen zur Restrukturierung
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Mit der Ankündigung, CDV erwarte für das zweite Geschäftsjahresquartal einen Fehlbetrag von vier Mio. Euro, hat das Unternehmen die Branche geschockt. Zudem ist von Entlassungen die Rede. games.markt fragte bei Finanzvorstand Christoph Syring nach, wie sich die derzeitige Situation darbietet.

gm: Herr Syring, wie sieht die Lage bei CDV denn nun tatsächlich aus?

Christoph Syring: Die finanzielle Situation des Unternehmens ist im Vergleich zu den Vorjahren jetzt natürlich etwas angespannt, aber keineswegs aussichtslos, was man ja in diesen Tagen immer betonen muss. Für das Gesamtjahr 2003 können wir jedoch nicht mehr mit einem positiven Ergebnis rechnen. Allerdings sind wir der Meinung, mittelfristig wieder schwarze Zahlen schreiben zu können.

gm: Sind Restrukturierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Situation geplant?

Syring: Nicht nur geplant. Wir haben direkt auf die aktuelle Situation reagiert und umfangreiche Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Dies sind unter anderem: - Konsequente Ausrichtung der Organisation auf die Kernfunktionen, - Überprüfung des Portfolios der in Entwicklung befindlichen Spiele auf Realisierbarkeit und Absatzpotenzial und konsequente Einstellung der nicht mehr erfolgversprechenden Titel, - Realisierung aller relevanten Einsparungspotenziale, - Optimierung der Prozesse in Hinblick auf Verbesserung des "time to market", - konsequentes Life-Cycle-Management über alle Vermarktungsstufen.

Wir gehen davon aus, dass diese Maßnahmen - teilweise sogar schon kurzfristig - Wirkung zeigen werden.

gm: Offenbar gibt es Überlegungen, das britische Büro aufzugeben. Geht damit auch ein Strategiewechsel hinsichtlich des internationalen Vertriebs einher?

Syring: Das britische Büro wird in der Tat geschlossen. Man kann allerdings nicht von einem Strategiewechsel sprechen. Wir arbeiten in Großbritannien weiterhin mit unserem bewährten Distributor zusammen, steuern das Marketing aber von Karlsruhe aus. In einer solchen Situation haben wir schlicht eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass wir das Geschäft auf der Insel auch ohne Büro vor Ort vorantreiben können.

gm: Inwiefern betreffen die Restrukturierungsmaßnahmen die Veröffentlichungsstrategie von CDV?

Syring: Grundsätzlich dürfen die Kostensenkungsmaßnahmen die Veröffentlichungen nicht gefährden. Dies haben wir bei den Entlassungen zu berücksichtigen versucht. Mit den eben genannten Maßnahmen wollen wir Prozesse in Hinblick auf Verbesserung des "time to market" optimieren, das heißt, die Produkte in der dafür vorgesehenen Zeit und zu den kalkulierten Kosten entwickeln und veröffentlichen. Wir streben also kontinuierliche, wirtschaftlich sinnvoll über das ganze Geschäftsjahr verteilte Veröffentlichungen an. Releaseverschiebungen sollten dann nur noch die Ausnahme sein.

gm: CDV ist inzwischen der einzige deutsche Spielepublisher, der an der Börse notiert ist. Warum erfahren Ihrer Meinung nach gerade Gamespublisher kaum Unterstützung im deutschen Finanzmarkt?

Syring: Ich denke, dass hier eine Reihe von Faktoren als Ursachen in Betracht kommen. Zum einen ist die Euphorie an den Kapitalmärkten einem Misstrauen gewichen. Außerdem sind andere Unternehmen unserer Branche nicht unbedingt positiv aufgefallen, was dem Vertrauen der Anleger weiter geschadet hat. Des Weiteren ist es für viele Investoren schwierig, das Geschäftsmodell eines Spielepublishers zu verstehen. Die schwierige Prognostizierbarkeit von künftigen Entwicklungen, Erfolgen und Misserfolgen ist ein weiterer Grund, warum sich viele Anleger zurzeit zurückhalten. Generell kann man aber sagen, dass die gesamte Media- und Entertainmentbranche an der Börse gelitten hat. Wir sind da leider keine Ausnahme. Unser Ziel ist es nun, unser Geschäft entschlossen voranzutreiben und wieder profitabel zu arbeiten. Der Kapitalmarkt wird dies dann sicher zu honorieren wissen.

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