chat.room: Alle Jahre wieder kommt der Preisverhau
Nicht nur zur Weihnachtszeit, aber aktuell ganz besonders: Von DVD-Video über Musik bis zu Computer- und Videospielen, die Preise purzeln ins Bodenlose und verkünden die Botschaft "Wir können nur billig!". Oder noch schlimmer: "Entertainmentprodukte haben keinen Wert". games.markt holte Stimmen zum aktuellen Preisverhau in deutschen Landen ein.
Preise erhöhen
Man muss wahrscheinlich schon Händler sein, um diese Verhaltensweise verstehen zu können. Obwohl man eigentlich aus Erfahrung und Fehlern lernen sollte, zeichnet sich hier eine ähnliche Entwicklung ab, wie sie bei der Musik und der DVD schon normal geworden ist: Es gibt keine Neuveröffentlichung, die nicht im Preis verrissen wird. Nun geht es an die Videogames. Wir setzen alles daran, die Margen für den Handel zu erhalten, und beteiligen uns finanziell nicht an Werbungen, die so preisaggressiv sind, denn wir werden nicht durch unsere Werbebeteiligungen die vom Handel gerissenen Deckungsbeitragslöcher abdecken. Die Abrechnung am Ende des Jahres wird es zeigen, wenn der Handel über schwindende Margen klagt und sich nicht mehr daran erinnern kann, wer den Deckungsbeitragsverlust verursacht hat. Es kommt aber noch gewaltiger, denn im Gegensatz zum Musik- und DVD-Markt wird die Deckungsbeitragslücke nicht durch einen hohen Verkaufsanteil des Backkatalogs einigermaßen kompensiert, denn unsere Produkte laufen höchstens sechs bis zwölf Monate, dann sind sie einfach nicht mehr zu vermarkten. Aber auch das ist noch nicht das Ende vom Lied, denn die Zweitvermarktung wird ebenfalls erheblich darunter leiden. Platinumprodukte kauft dann auch keiner mehr, weil der Preisvorteil nicht mehr gegeben ist und keine zusätzlichen Kaufanreize schafft, wie wir es auch schon heute mit dem zunehmenden Anteil von Pyramidensoftware für 20 Euro sehen können. Die Preisklasse von 50 bis 60 Euro hat sich im Abverkauf innerhalb der ersten neun Monate dieses Jahres halbiert, und der Anteil von Software unterhalb von 20 Euro ist um den Faktor vier gestiegen und hat jetzt einen Abverkaufsanteil von ca. 14 Prozent. Das Problem ist aber, dass hierdurch keine zusätzlichen Verkäufe generiert werden - diese Aktionen zahlen nur auf die Marktanteilsverschiebungen unter den Handelsorganisationen ein. Hält dieser Trend an, verliert der Handel 2004 ca. 70 Mio. Euro, die besser in Werbung investiert werden sollte statt in ruinösen Wettbewerb. Wir haben aus den verschiedensten Handelsaktionen die Erfahrung mitgenommen, dass wir mit differenzierten Angeboten den Konsumenten zum Kauf unserer Produkte bewegen konnten, auch wenn der Preispunkt immer gleich war. Im Prinzip sollte die Industrie über Preiserhöhungen nachdenken, damit dieser Trend gestoppt und dieses Geld sinnvoll in Promotion und Werbung investiert wird, die den Markt aufbaut und langfristig auch für den Handel ein kalkulierbares Geschäft bleiben lässt. Manfred Gerdes, Geschäftsführer Sony CED
Weihnachtliche Tradition
Sobald es jemand vom Umsatz her schlecht geht, verschenkt er die Ware. Das trifft sowohl auf die Handels- als auch auf die Industrieseite zu. Es findet sich bei allen Entertainmentprodukten wieder. Einer fängt an, dann dreht sich die Schraube weiter nach unten. Auch das hat leider zu Weihnachten Tradition. Werner Heiß, Bereichsleiter Multimedia Müller
Negativer Effekt
Wir als Publisher sind über regionale oder nationale Preisaktionen nicht erfreut. Die Entwicklungskosten unser Spiele steigen mit der Qualität der Produkte seit Jahren bei konstanten Verkaufspreisen an. Unser UVP trägt dem Rechnung. Sollten Händler auf ihre Marge verzichten, um Frequenz in die jeweilige Verkaufsstätte zu bekommen oder die Konkurrenz vor Ort zu "ärgern", wird das nicht von uns getragen, da der Konsument auch beim nächsten Mal das Spiel zu diesem Preis kaufen möchte. Die kurzfristig gedachte Aktion hat langfristig einen sehr negativen Effekt. Andreas Stock, Geschäftsführer Activision Deutschland
Reine Katastrophe
Die aktuelle Preisaggressivität ist der Gipfel. Wir sind der festen Überzeugung, dass es langfristig katastrophal für die Branche ist, wenn man Toptitel zum EK-Preis durchschießt, weil sich der Kunde auf diese Preispunkte einstellt und nicht mehr bereit ist, die UVP zu bezahlen. Efthimios Sidiropoulos, Produktgruppenmanager McMedia