chat.room: Preiserhöhung als Antwort auf Preisverhau?
Preiskämpfe sind nicht neu. Im letzten Weihnachtsgeschäft waren Dumpingangebote jedoch weniger die Ausnahme als der Regelfall. Für Manfred Gerdes Grund genug für die Forderung, die Preisempfehlungen industrieseitig zu erhöhen. games.markt fragte Branchenmanager, was sie von diesem Vorstoß halten.
Gegen den Preisverfall
Klare Worte fand Manfred Gerdes im letzten chat.room (games.markt 23/2003) zum Thema Preisverfall:
"Im Prinzip sollte die Industrie über Preiserhöhungen nachdenken, damit dieser Trend gestoppt und das Geld sinnvoll in Promotion und Werbung investiert wird."
Eine Forderung, die bewusst auch provozieren sollte, mit der Gerdes aber nicht allein dasteht.
Qualität hat ihren Preis Die Branche, der Handel und die Verbraucher dürfen nie aus den Augen verlieren, dass AAA-Titel hochwertige Multimillionen-Euro-Produktionen sind, die über zwei bis drei Jahre hinweg entwickelt werden. Derartige Qualität hat stets ihren Preis. Natürlich muss unsere Industrie auch Antworten auf die aktuelle wirtschaftliche Lage haben, die sich unmittelbar im Geldbeutel unserer Endkunden abspielt. Die Ausweitung von Budgetlines und attraktive Preise zum Launch für ausgesuchte Topprodukte sind in solchen, konjunkturschwachen Zeiten probate Mittel. Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft nicht zulassen, dass aktuelle Toptitel verramscht werden. Wir setzen auf partnerschaftliche Zusammenarbeit und sorgen Hand in Hand mit dem Handel für den Abverkauf unserer Produkte. Dies geschieht durch kreative Handelsmarketingaktionen, eine verbesserte Warenpräsentation und vieles mehr. Die Erschließung neuer Zielgruppen, neue innovative Spielideen und ein verbessertes Branchenimage werden darüber hinaus große Zukunftsprojekte sein. Odile Limpach, Geschäftsführerin Ubisoft
Ruinöser Preiskampf Aus unserer Sicht ist dieser scharfe Preiswettbewerb beinahe ruinös und eine Gefahr für den Handel und die Interactive-Entertainment-Industrie. Preise unter EK haben mit Konsumentenfreundlichkeit nichts mehr zu tun, sondern sind wettbewerbsrechtlich bedenkliche Verdrängung. Ich schließe mich der geäußerten Sorge von Herrn Gerdes an. Unsere GfK Preiselastizitätsstudie zeigt, dass diese Preiskämpfe nicht nötig sind, um den Endverbraucher zum Produktkauf zu bewegen, sondern nur, um ihn von Händler A zu Händler B zu bewegen. Zusatzumsatz wird dadurch kaum generiert, sondern der Konsument gar verunsichert ("Soll ich nun kaufen, oder wird es noch günstiger?"). Auch wird die Wertvorstellung der Kunden unserer Produkte langfristig beschädigt. Mit Kosten hat das nichts mehr zu tun, denn mit komplexeren Spielen und fallenden Durchschnittsstückzahlen pro Titel steigen die Kosten. Unsere Preispolitik orientiert sich an unseren Kosten, Inhalten und Endkunden, nicht aber an den Preiskämpfen des Handels. Sollte es also von unserer Seite zu Preiserhöhungen kommen, was bei den gestiegenen Kosten und Inhaltstiefen gut möglich ist, sind diese damit zu begründen. Ich möchte aber nicht versäumen zu erwähnen, dass unsere Produkte, gemessen an der Unterhaltung und der Nutzungsintesität, eher günstig sind. Man denke nur einmal in Kosten pro Stunde bester interaktiver Unterhaltung. Jörg Trouvain, Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland
Handel bietet Chaos Ich teile zu einem gewissen Teil die Ansicht von Herrn Gerdes. Nur sollten wir nicht über Preiserhöhungen nachdenken, sondern der Handel sollte einen Teil seiner Marge - den er offenkundig nicht benötigt, da er ihn an den Kunden weitergibt - in verbesserte Warenpräsentation investieren: neue Warenträger und größere Verkaufsfläche, mehr Kundenservice, sprich: bessere Beratung des Kunden und Regalpflege sowie verstärkte Handelswerbung. Es gibt Untersuchungen, dass durch den "Preisverriss" Konsumausgaben zurückgehen, da der Kunde nicht weiß, ob die Ware am nächsten Tag noch günstiger angeboten wird, und der Konsument wird in Zukunft keine nicht reduzierten Waren mehr kaufen. Ich denke, der Kunde will Beratung, eine schöne Präsentation sowie Preissicherheit. All dies bietet ihm der deutsche Handel nicht. Er bietet ihm Chaos - vom Preis bis hin zur Präsentation. Markus Wiedemann, Geschäftsführer Codemasters