Chat.room: Tut die Industrie genug für den Facheinzelhandel?

Meik Löwer
Meik Löwer © None

Das Klagen der Facheinzelhändler angesichts der Übermacht der Flächenmärkte ist bekannt. Werden die kleineren Händler von der Industrie in ausreichendem Maße betreut oder im Regen stehen gelassen? Wo sind die neuraligschen Punkte in der Zusammenarbeit? Wo wird dem Händler ein Bein gestellt? games.markt hat nachgefragt.

Termintreue entscheidet Ich würde mich schon freuen, die gleiche Aufmerksamkeit von den Anbietern zu bekommen wie die Flächenmärkte. Gerade die pünktliche Lieferung ist jetzt entscheidend. Da ist es schon zu bedauern, dass Termine nicht eingehalten werden. Speziell bei Electronic Arts funktioniert dieser Punkt zurzeit überhaupt nicht. Die Publisher stecken zwar gerade jetzt zur Weihnachtszeit jede Menge Geld in Werbeanzeigen. Ich würde mir aber mehr alternative Werbeformen wünschen, die auch dem kleinen Handel direkt zugute kommen. Beispielsweise wären Anzeigen in unserem Einkaufszentrum wünschenswert oder im dortigen Kino, mit dem wir bereits eine Kooperation haben. PoS-Material wird leider immer weniger produziert, da es in den Flächenmärkten ohnehin nicht aufgestellt wird. Insgesamt war die Situation sicher schon schlimmer. Eine Besserung wäre aber wünschenswert, damit das Übergewicht der Flächenmärkte nicht zu groß wird. Meik Löwer, Geschäftsführer mediastore

Restriktive Rücknahme Es gibt definitiv Nachholbedarf seitens der Industrie. Gerade über die sehr restriktive Rücknahmepolitik mancher Publisher entsteht bei uns Ärger. Dabei sind wir ja auch kein Einzelkämpfer, sondern im starken Verband McMedia. Da sollte man doch meinen, dass wir hier im Vergleich zu den Flächenmärkten etwas besser behandelt würden. Auch die Preisgestaltung ist immer noch nicht zufrieden stellend. Da ist es ganz klar, dass der preisbewusste deutsche Kunde zuerst zu Media Markt und Co. geht. Recht zufrieden sind wir mit der Zusammenarbeit mit Take 2 Interactive. Mit PoS-Material werden wir leider nicht gerade überschüttet. Von Sega bekamen wir zu Dreamcast-Zeiten noch Videodisplays, von Sony und Nintendo zwar auch, aber nicht gratis. Microsoft scheint generell nur die großen Ketten bedienen zu wollen; da haben wir keine Chance. Peter Krück, Mobi Games Palace

Insgesamt zufrieden Die Unterstützung seitens der Industrie ist sehr unterschiedlich. Je nach Anbieter werden wir entweder gut bedient oder im Regen stehen gelassen. Bei Microsoft haben wir leider kein Retourenrecht und keine Abschriften. Auch senken die Anbieter für ältere Titel kaum die Preise, was aber bei den Flächenmärkten sehr wohl stattfindet. Da ist es für uns natürlich kaum möglich zu konkurrieren. Ebenfalls entscheidend sind die Liefertermine. Wenn Karstadt und andere Ketten das Spiel bereits vor uns verkaufen können, haben wir natürlich schlechte Karten. Sehr zufrieden sind wir mit dem Support von Electronic Arts; erst kürzlich haben wir von EA ein Shop-in-Shop-System bekommen, das bei unseren Kunden auf reges Interesse stößt. Von Sony und Nintendo bekommen wir auch Videodisplays. Insgesamt ist die Situation aus unserer Sicht sicher nicht Besorgnis erregend. Verbesserungen sind mancherorts aber durchaus wünschenswert. Timo Koschnick, McMedia Schnäppchen Shop

Geringe Margen Die Unterstützung ist weitgehend recht mager. Promo- oder Vorabversionen bekommen wir fast nie. Auch die Margen sind einfach nicht zufrieden stellend. Bei Nintendo-Hardware und Games ist das am auffälligsten. Electronic Arts bietet uns da zurzeit noch die beste Spanne. Ein Geschäft mit Neuware allein würde sich nie rechnen, was natürlich sehr schade ist. Retouren laufen nur auf Kosten der Großhändler, direkt über die Anbieter haben wir da keine Chance. Zufrieden sind wir mit Electronic Arts, Microsoft und Ingram Micro Games. Besonders über NBG werden wir sehr gut mit Microsoft-PoS-Materialien und Displays bedient. Stefan Kimmlingen, SK GameNatiX

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