"Deus Ex: Invisible War": Spannender Sci-Fi-Thriller

"Deus Ex: Invisible War": Spannender Sci-Fi-Thriller
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Mit "Deus Ex" lieferte der texanische Entwickler Ion Storm einen Meilenstein der Gamesgeschichte ab. Auch der Nachfolger präsentiert sich als fesselnder Mix aus 3D-Action-Shooter und Rollenspiel, bei dem vor allem das offene Spielprinzip begeistert.

Erneut schickt das Entwicklerteam rund um Designerlegende Warren Spector ("System Shock 2", "Thief") den Spieler auf einen Trip in die düstere Welt der Zukunft. Wahlweise als männlicher oder weiblicher Protagonist übernimmt er die Rolle von Alex Denton, dem nanotechnisch veränderten Klon des Antiterrorspezialisten J. C. Denton aus Teil eins. Die dramatisch inszenierte Introsequenz zeigt den verheerenden Terroranschlag eines Selbstmordattentäters, in dessen Folge Chicago, die Heimatstadt des Helden bzw. der Heldin, in Schutt und Asche gelegt wird. Gerade noch rechtzeitig kann sich Alex nach Seattle retten und beginnt schließlich mit seinen Nachforschungen über die wahren Hintergründe der grausamen Tat.

Nach drei Trainingseinsätzen, die direkt in den Plot integriert sind, hat man sich mit allen wichtigen Bedienungsfunktionen vertraut gemacht. Anschließend ist der Spieler auf sich allein gestellt und nimmt Jobs von sechs Organisationen an. Die Parteien verfolgen allesamt eigene Interessen und haben die Regierungen, wie man sie heute kennt, in der fiktiven Zukunft von "Invisible War" abgelöst. Alle Aktionen des Spielers nehmen direkten Einfluss auf die weitere Handlung. Die spielerische Freiheit ist enorm: Man entscheidet ausschließlich selbst, für wen man arbeiten und wie man die Aufträge angehen möchte. So können Actionverfechter aus einem reichhaltigen Waffenarsenal mit Schrotflinten, Granaten sowie Scharfschützengewehren schöpfen und in Rambo-Manier gegen die zahlreichen Feinde vorgehen. Wer dagegen eine subtilere Methode bevorzugt, schleicht sich in dunklen Ecken unauffällig an den Wachen vorbei und sucht nach lautlosen Wegen. Bis auf wenige Ausnahmen ist die KI der Feinde recht ausgeklügelt und fordert den Spieler in Feuergefechten immer wieder aufs Neue heraus. Ähnlich viel Freiraum besitzt man in Bezug auf die so genannten Bio-Mods, die maßgeblich an der Charakterentwicklung der Spielfigur beteiligt sind: Mit den Implantaten eignet sich Alex spezielle Fähigkeiten an, die in maximal drei Stufen ausgebaut werden können. Es liegt nun beim Spieler, ob er lieber auf erhöhte Körperkräfte oder Hackerkenntnisse setzt. Insgesamt ist das Implantatesystem weit weniger umfangreich als die Charakterspezialisierung beim Vorgänger, da man die Hightechhelfer jederzeit wechseln kann.

Obendrein wurde die Vergabe von Erfahrungspunkten wegrationalisiert, weshalb der Rollenspielanteil nun etwas geringer ausfällt. Technisch ist "Deus Ex: Invisible War" über weite Strecken gelungen. Vor allem die von der 3D-Engine in Echtzeit berechneten Schatten sind ein grafischer Leckerbissen. Die Integration der "Havoc"-Physic-Engine macht sich ebenfalls bezahlt: Wirft man z. B. einen Stuhl eine Treppe hinunter, purzelt das Möbelstück physikalisch korrekt die Stufen runter. Leider mangelt es dem Science-Fiction-Ambiente insgesamt etwas an optischer Abwechslung, da die meisten Schauplätze sehr düster gehalten sind. Dafür überzeugt neben dem atmosphärischen Soundtrack auch die kristallklare Sprachausgabe auf ganzer Linie. Für die Lokalisation der deutschen Version verpflichtete Eidos namhafte Sprecher; die mehr als 250.000 Wörter synchronisierten. Obwohl Umfang und Charakterentwicklung auf der Strecke bleiben, ist "Deus Ex: Invisible War" eine würdige Fortsetzung des innovativen Erstlings.

Fazit: Die ausgefeilte Intrigenstory fesselt von Anfang bis Ende, und die große Handlungsfreiheit erlaubt viele verschiedene Lösungswege und erhöht somit auch den Wiederspielwert. Da sich auch die Präsentation auf hohem Niveau bewegt, sollten sich Actionfans den spannenden Genremix nicht entgehen lassen. Besitzer des deutlich komplexeren Vorgängers könnten allerdings etwas enttäuscht werden.

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