Editorial
Unterhaltsame Stunden
"Spiele sind zu teuer." Ein Satz, auf den die Branche nur allzu gern mit Empörung reagiert. Nicht nur, weil Millionen von Dollar in Entwicklung und Vermarktung fließen, kein anderes Medium bietet auch so viel "Entertainment per hour". Grundsätzlich handelt es sich um ein berechtigtes und nachvollziehbares Argument, dem Hardcorespieler auch gern folgen. Das geizgeile Massenmarktpublikum ist darauf bis jetzt allerdings nicht angesprungen.
Selbst wenn Otto Normalverbraucher bislang noch erfolgreich vermittelt werden kann, dass 40 Stunden DVD-Erlebnis weit mehr kosten als 40 Stunden Spielspaß. Am Ende wird jedoch der subjektive Eindruck bleiben, dass das DVD-Regal gut gefüllt, das Spieleregal hingegen fast leer ist. Noch viel problematischer ist die "Entertainment per hour"-Argumentation unter qualitativen Aspekten. Wenn die Suche nach Bugs zum Kinderspiel, Download und Installation von Patches zur Pflicht werden und die Steuerung einen Doktortitel voraussetzt, sollte eher von Frust als von "Entertainment per hour" die Rede sein. Zumal die unfreiwilligen Betatester für ihre Tätigkeit zahlen, anstatt entlohnt zu werden.
Vielleicht sollte sich die Branche bisweilen eingestehen, dass nicht jeder Verbraucher jedes Mal Unrecht hat, wenn er sagt, Spiele seien zu teuer. Denn nicht überall, wo "Entertainment" draufsteht, ist auch wirklich Entertainment drin. Und schon gar nicht stundenweise.
Stephan Steininger Redaktion GamesMarkt.de [mailto:s.steininger@e-media.de@@@s.steininger@e-media.de]