Editorial

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Alles nur geklaut

"Zehn Jahre nach dem Start des World Wide Web steht die Unterhaltungsindustrie vor der größten Bedrohung ihrer Geschichte …", so begann eine achtseitige Story zum Thema Internet/Raubkopien im "Spiegel" der vorletzten Woche, und die Branche konnte sich zufrieden auf die Schenkel klopfen. Ohne die inhaltliche Qualität des Artikels bewerten zu wollen - fest steht: Endlich hat sich ein journalistisches Leitmedium des leidvollen Themas angenommen, das durch die Bank die gesamte Entertainmentbranche bedrückt, quält und bedroht.

Wundern darf man sich aber dennoch: Schließlich hat sich die Branche jahrelang den Mund fusselig geredet, um zu dem modernen Räubertum in Medien und Öffentlichkeit Gehör zu finden. Man erinnere sich an die verzweifelten Versuche, ein einigermaßen passables Lobbying auf die Beine zu stellen, oder die frustrierenden Anläufe, dem Gesetzgeber die Position der Unterhaltungssoftwareindustrie zu vermitteln. Grundsätzlich scheint der Raub geistigen Eigentums gerade en vogue zu sein. Das mag vor dem Hintergrund der aktuellen Urheberrechtsnovelle geschehen oder im Gefolge der jüngsten GVU-Erfolge - egal, Hauptsache, es wird darüber berichtet, und es keimt so langsam das lang vermisste Unrechtsbewusstsein auf. Und das wäre ein echter Gewinn!

Harald Hesse Chefredakteur [mailto:h.hesse@e-media.de@@@h.hesse@e-media.de]

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