"Final Fantasy X-2": Geballte Frauenpower für Spira
Trotz des seltsamen Titels handelt es sich bei der aktuellen "Final Fantasy"-Episode weder um ein Add-on noch um eine aufgebohrte Version des Vorgängers. "Ten Two", wie Serienkenner das neue Produkt nennen, ist eine direkte Fortsetzung von "Final Fantasy X" - dem erfolgreichen PlayStation-2-Debüt des Rollenspieldauerbrenners.
Wer bereits die Welt Spira bereist hat, wird sich auf Anhieb heimisch fühlen und auf etliche bekannte Gesichter treffen. Allerdings besteht die Abenteurertruppe diesmal ausschließlich aus Heldinnen: Das zarte Medium Yuna erhält ein Lebenszeichen ihres Freunds Tidus und macht sich auf die Suche nach dem blonden Protagonisten von Teil zehn. Mit zwei Freundinnen - dem Wildfang Rikku und der verschlossenen Paine - schließt sie sich zur "Sphere Hunter"-Truppe Gullwings zusammen und bereist die Welt, um Sphäroiden zu sammeln. Im Unterschied zum linearen Vorgänger darf der Spieler frei entscheiden, welchen Ort Spiras er von Bord des Luftschiffs "Celsius" aus ansteuert.
An den meist bekannten und wunderschön gezeichneten Örtlichkeiten wie Berg Gagazet oder Macalania-Wald werden verschiedenste Missionen erledigt - einige treiben die Story voran, ein Großteil aber ist optional und dient dem Sammeln von Erfahrung, Geld und sogenannten Kostüm-Sphäroiden. Diese Kugeln und die zugehörigen Kostümpaletten, die die Sphäroiden beherbergen, ersetzen das Sphärobrett von "Final Fantasy X" und bestimmen Fähigkeiten, Charakterklassen und Aussehen der Heldinnen. So macht z. B. ein Kostüm seine Trägerin zur perfekten Heilerin, ein anderes zum Berserker oder Scharfschützin - die Vielfalt an Sphäroiden bringt gehörig Taktik in die unzähligen Zufallskämpfe. Die Konfrontationen mit Monstern und Mieslingen laufen etwas anders ab als beim Vorgänger: Ein "Active Time Battle"-System, bei dem in Echtzeit Attacke, Zauber oder Item-Einsatz gewählt werden, bringt Hektik und Action in die Klopperei. Weitere Neuerungen: Yuna kann auf Knopfdruck springen und klettern, einige Minispiele sind schwer actionlastig, im Kampf lassen sich durch Timing gewaltige Komboattacken ausführen, und der Schwierigkeitsgrad ist gesunken.
Zudem sind Story und Charaktere ebenso leicht und zuckersüß wie die Musikuntermalung - eine Geschmacksfrage, die vor allem Rollenspielveteranen als negativ empfinden könnten. Grafisch ist "Final Fantasy" immer noch eine Klasse für sich; atmosphärische Orte, schmucke Zwischensequenzen und überzeugende Mimik erfreuen das Auge. Professionelle Synchronsprecher leihen den vielen Charakteren zudem passende Stimmen, allerdings nur englische; einheimische Spieler müssen sich mit deutschen Untertiteln zufrieden geben. Zudem leidet die Europavariante Square-typisch unter einer üblen PAL-Anpassung mit langsamerem Spieltempo und dicken schwarzen Balken.
Fazit: "Final Fantasy X-2" wird sein vielköpfiges Publikum finden, schließlich bietet Square-Enix gewohnt kompetente RPG-Kost mit Massen- (und vor allem Frauen-)kompatiblem Charakterdesign. Einzig ernsthafteren Rollenspielern könnte die neue Episode zu poppig sein.