Im Gespräch: Alexander Wessendorf, TMI

Alexander Wessendorf
Alexander Wessendorf © None

Der Handel ist im Wandel. Den raschen Entwicklungen ist auch ein Systemdienstleister unterworfen. Kurz vor der Übernahme von JTV durch TMI sprach games.markt mit Alexander Wessendorf, geschäftsführender Gesellschafter TMI.

gm: Im ersten Halbjahr lag TMI mit einem Nettoumsatz von 110 Mio. Euro leicht unter Plan. Wie sah es Ende 2003 aus?

Alexander Wessendorf: Wir haben 2003 unseren Vorjahresumsatz erreicht. Damit liegen wir zwar unter unserer Planung, im derzeitigen Marktumfeld sind wir aber mit dieser Entwicklung sehr zufrieden.

gm: Welchen Umsatzanteil hält der Bereich Games?

Wessendorf: TMI hat mit PC- und Konsolenspielen einen Gamesanteil von über 15 Prozent. Dazu kommt der Bereich Anwendungssoftware, der aus Kundensicht natürlich zu einem Softwaresortiment dazugehört, der mit zehn Prozent zu Buche schlägt. Insgesamt bieten wir unseren Kunden einen ausgewogenen Sortimentsmix aus den Bereichen Tonträger, Bildträger und Software.

gm: Welche Handelsunternehmen betreut TMI derzeit?

Wessendorf: Wir haben zwei Dienstleistungsschwerpunkte: Fachmärkte bzw. Kaufhäuser und LEH-Großflächen. Zu den Fachmärkten gehören u. a. die Rewe UE, Pro-/MakroMarkt und Cosmos in Österreich. Im Bereich LEH betreuen wir Kunden wie Marktkauf, Edeka, Rewe oder Globus. Daneben bieten wir das Endkundenfullfilment für Internet-/Versandhändler an, darunter Karstadt.de.

gm: MakroMarkt will weiter mit TMI zusammenarbeiten. Macht sich die neue Discountpolitik von TMI auch in entsprechendem Druck auf die Margen bemerkbar?

Wessendorf: Ja, auf jeden Fall. MakroMarkt kann heute aufgrund seiner optimierten Kostenstruktur mit geringeren Margen arbeiten. Das hat Preissenkungen ermöglicht. Parallel zur neuen Marketingkampagne mit Dieter Bohlen führt dies bei TMI zu einer positiven Umsatzentwicklung mit unserem Kunden MakroMarkt.

gm: Einige Handelsunternehmen und Industriepartner setzen verstärkt auf Vendor Managed Inventory. Hat dies für TMI Konsequenzen?

Wessendorf: Wir stehen in diesem Fall im Wettbewerb zu unseren Lieferanten. In der Praxis ergeben sich daraus aber keine Probleme. TMI hat als Systemdienstleister gute Argumente, um den Kunden von unseren Konzepten zu überzeugen.

gm: Wäre die Industrie überhaupt in der Lage, schwierige LEH- oder SB-Kunden eigenständig zu bedienen?

Wessendorf: Wir halten einen Systemdienstleister für unverzichtbar. Dafür sprechen einige gewichtige Gründe: Ein kompetentes Mediensortiment im SB-Warenhaus umfasst mehrere tausend Artikel von mindestens 50 bis 100 Lieferanten. Es gibt eine große Produktfluktuation mit Besonderheiten wie strikten VÖ-Terminen und hohen Retourenquoten. D. h., wir reden von einer komplexen Dienstleistung mit anspruchsvollen Abläufen. Auf der anderen Seite rechtfertigt der Umsatz bzw. Ertrag es für das SB-Warenhaus nicht, hier entsprechenden personellen oder organisatorischen Aufwand zu betreiben. Die Abwicklung über einen spezialisierten Dienstleister ist preiswerter und risikoärmer. Ein weiterer Vorteil des Systemdienstleisters ist seine Objektivität. Er kann sich flexibel auf die Kundennachfrage einstellen; so arbeiten wir auf Basis der tatsächlichen Abverkaufszahlen. Eine feste Fläche für einen Hersteller macht in der Regel keinen Sinn, da das Sortiment von der Kunden- und nicht von der Anbieterseite bestimmt werden muss. Zuletzt sprechen auch die logistischen und damit Kostenvorteile für den Systemdienstleister.

gm: Stichwort "Nontraditional-Outlets". Chance oder Risisko?

Wessendorf: Diese Frage hat heute eine große Bedeutung im Markt, weil das Medienprodukt ein Mitnahmeprodukt ist. Ich sehe aber kein großes Wachstumspotenzial in diesen Märkten. Ganz im Gegenteil, ich warne sogar vor Kannibalisierungseffekten zu Lasten der Händler mit breitem Sortiment. Die Nontraditional-Outlets retten die Branche nicht. Sie sind sicherlich ein Umsatzbringer und eine sinnvolle Ergänzung. Man muss aber auch aufpassen, was und zu welchem Preis man dort verkauft.

gm: Und wie beurteilen Sie die mittelfristige Entwicklung im Bereich Games?

Wessendorf: Tendenziell gibt es bei Games, gerade im Konsolenbereich, immer Schwankungen. Mittelfristig sehe ich eine stabile Entwicklung. Es gibt einen vorhandenen Markt, der allerdings auch schon mit dem Preisverfall zu kämpfen hat. Er fällt aber noch nicht so stark wie bei DVD/Video.

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