Im Gespräch: Dieter Dedeke, Geschäftsführer bhv

Dieter Dedeke, Geschäftsführer bhv
Dieter Dedeke, Geschäftsführer bhv © None

Mit dem Ausbau des Produktmanagements auch im Bereich Spiele bereitet sich bhv auf wesentlich mehr Releases im Jahr 2004 vor. Geschäftsführer Dieter Dedeke will mittelfristig rund 30 Prozent des Umsatzes mit Spielen erwirtschaften. Ein eigenes Spielelabel wird derzeit aufgebaut.

gm: Seit diesem Jahr veröffentlicht bhv zunehmend auch Spiele. Warum?

Dieter Dedeke: bhv Software ist bekanntlich seit über 20 Jahren am Markt und hat im Laufe der Jahre sehr gute und ausgefeilte Vertriebskanäle entwickelt. Vor diesem Hintergrund lassen sich auch die neuen Gamestitel gleich in die richtigen Kanäle bringen. Und so ganz neu ist das Genre für uns ja nicht. Auch früher hatten wir bereits Spiele im Angebot und haben Erfahrungen mit dem Vertrieb von Games. Jetzt verfügen wir auch über ein gutes Team, das den Markt kennt, gute Spiele erkennt und managen kann.

gm: Welche Bedeutung sollen Spiele mittelfristig haben?

Dedeke: Mit dem Ausbau des Spieleangebots sind wir in der Lage, unsere Vertriebskanäle auszuschöpfen und Potenziale zu nutzen. Mittelfristig streben wir für den Bereich Games einen Anteil an, der gleichberechtigt neben der Lernsoftware steht. Das heißt, der Anteil von Spielen soll mittelfristig etwa 30 Prozent erreichen.

gm: Der Ausbau des Produktmanagements lässt auf einen weiter erhöhten Titelausstoß schließen. Wie viele Veröffentlichungen sollen pro Jahr erfolgen?

Dedeke: Ja, in der Tat. Im kommenden Jahr planen wir die Veröffentlichung von monatlich zunächst mindestens zehn bis 15 Titeln, wobei drei davon Spiele sein werden. Das bedeutet, nicht nur der Bereich Games wird weiterhin erweitert - sowohl im niedrigen als auch im mittleren und höheren Preissegment -, sondern auch das Produktmanagement wird weiter ausgebaut.

gm: Konzentrieren Sie sich im Gamesbereich auf Publishingdeals, oder planen Sie Eigen- und Auftragsentwicklungen?

Dedeke: Wir haben bereits auf beiden Gebieten Erfahrungen und werden auch in Zukunft beides verfolgen. Das Verhältnis zwischen Lizenzen und Eigenentwicklungen wird jedoch aller Voraussicht nach bei 80 zu 20 liegen.

gm: Jüngst hat bhv einen Vertrag mit Micro Application geschlossen. Wie beurteilen Sie das Potenzial von "Der verborgene Kontinent"?

dedeke: "Der verborgene Kontinent" ist ein Point & Click-Adventuregame mit einer faszinierenden Grafik. Als geradezu klassisches Spiel des Adventuregenres trifft es auf eine große Zahl von Liebhabern, die von dieser Art von Spielen begeistert sind und auf Neues förmlich warten. In Gamesmagazinen lässt sich verfolgen, dass die Kategorie Adventure auf Rang 1 der Liste der erwünschten "Oldies" steht. "Der verborgene Kontinent" wird durch das Interagieren mit den zahlreichen einzigartigen Charakteren, durch das Lösen der kniffligen Rätsel und durch hervorragende Grafik und Sound selbst zu einem Abenteuer - bei über 30 Stunden Spielzeit. Und damit ist es ein höchst attraktives und vor allem neues Adventuregame.

gm: Für "Der verborgene Kontinent" steht ein sechsstelliges Budget zur Verfügung. Ist der Einstieg in das Spielegeschäft mit finanziellen Risiken verbunden?

Dedeke: Das Risiko bewegt sich in einem kalkulierbaren Rahmen. "Der verborgene Kontinent" ist bereits erfolgreich in anderen Ländern veröffentlicht worden und hat sein Potenzial bewiesen. bhv Software verfügt durch die Einbindung in mehrere Geschäftsfelder über ein starkes finanzielles Rückgrat, so dass wir in der Lage sind, an mancher Stelle Schritte zu gehen, die für andere als Risiko erscheinen.

gm: Wie reagiert der Handel auf bhv als Spielepublisher? Er kennt Sie ja primär als Info-/Edutainment- und Utility-Publisher.

Dedeke: Sehr positiv. bhv ist als Hersteller seit langen Jahren bekannt und wird geschätzt, so dass der Handel uns ein gewachsenes Vertrauen entgegenbringt. Dass wir unser Produktportfolio diversifizieren, ist dabei nur erfreulich.

gm: Welche Auswirkungen hat das Engagement im Spielesektor auf das Vertriebsteam von bhv?

Dedeke: Der Außendienst ist in der Lage, seinen Kunden mehr anzubieten. Er wendet sich mit dem erweiterten Angebot an dieselben Ansprechpartner - sowohl bei den einzelnen Fachhändlern als auch bei den Key-Accounts.

gm: Orientieren Sie sich bei der Gründung eines eigenen Spielelabels zum Beispiel an "Deep Silver" von Koch Media oder "shoebox" von dtp?

Dedeke: Das eigene Spielelabel ist derzeit noch in der Entwicklung. Wir sind dennoch der Meinung, dass sich Spiele vor allem selbst verkaufen, nicht unbedingt über das Label. Wir werden immer den einzelnen Titel und die Entwickler in den Vordergrund stellen.

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