Jan Wuppermann, Abteilungsleiter Vodafone Service Content Products: Schnelles Geld mit mobilem Content
Für Jan Wuppermann hat die Zukunft des mobilen Gamings gerade erst begonnen. Umso verwunderter ist er darüber, dass die Gamesindustrie den heute schon attraktiven Load-A-Game-Markt viel zu langsam entdeckt. Wird das Potenzial des jungen Geschäftsfelds von der Branche unterschätzt?
Wenn Hardcoregamer an Handys denken, steht ihre Meinung schnell fest: unkomfortables Mäusekino, pixelige Displayoptik, Spielspaß mit Tempolimit - das sind nur die gängigsten (Vor-) Urteile. Keine Frage: Moderne Mobiltelefone machen klasse Schnappschüsse, mutieren beinahe auf Knopfdruck zu mobilen Infoterminals und ersetzen bei Bedarf schon mal den MP3-Player. Aber taugen sie auch zum Game Boy? Meine Antwort ist ein klares Ja. Selbst für eingefleischte Daddelanhänger sind Downloadspiele längst keine Spaßbremsen mehr. Bei Handygames handelt es sich um mobilen Content, mit dem sich bereits heute Geld verdienen lässt. Die Vodafone-Marke "Load-A-Game" genießt große Akzeptanz, kommt bei unseren Kunden gut an und ist damit einer der Umsatztreiber. Einen hohen Prozentsatz des Contentgeschäfts erzielt Vodafone D2 inzwischen mit dem Download von Klingeltönen, Logos und Spielen. Kurz, "Load-A-Game" ist eine Erfolgsstory.
Die Gründe dafür liegen zum einen in der enormen Vertriebskraft von Vodafone in Deutschland und anderswo rund um den Globus. Wir haben bereits über eine Million Vodafone live!-Kunden in Deutschland. Zum anderen sind Downloadgames für uns ein strategisch wichtiges Thema, das wir auch weiterhin ausbauen werden. Damit keine Missverständnisse entstehen: Wir maßen uns keineswegs an, das Geschäft mit Spielkonsolen kannibalisieren zu wollen. Das hieße, ein gutes Flugzeug mit einer Rakete zu vergleichen. Wir wollen vielmehr eine Brücke schlagen zwischen der Konsolenwelt und Games auf Mobiltelefonen. Aus Befragungen wissen wir, dass unsere Kunden ein starkes Bedürfnis haben, sich mit dem Thema Spiele wieder neu auf dem Handy zu befassen. Diese Kunden wollen sich aus unterschiedlichen Gründen keine Konsole kaufen, finden das Thema aber doch spannend, wollen ein wenig durchs Schlüsselloch schauen. Anfangs haben wir dabei vom "Nostalgiefaktor" profitiert. Spieleklassiker mit Kultstatus wie beispielsweise "Pacman" haben bombastisch eingeschlagen. Wir sind stolz auf den Vertrauensbeweis unserer Kunden, die honoriert haben, dass es sich wirklich um Originalspiele handelt. Mittlerweile laden deutlich mehr Kunden Games herunter, unter ihnen auch immer mehr Wiederholungstäter, die das Load-A-Game-Angebot stets aufs Neue nutzen. Damit haben uns unsere Kunden zum größten deutschen Vertriebskanal für mobile Games gemacht. Vodafone hat von Anfang an einen hohen Qualitätsmaßstab angelegt, aus meiner Sicht einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für mobile Games überhaupt.
Zukunft des mobilen Gamings hat gerade erst begonnen
Das gilt sowohl für die Spiele selbst als auch für die Handys, auf denen sie laufen. Wir arbeiten zurzeit mit etwa 20 bis 25 renommierten nationalen und internationalen Gamesentwicklern und Publishern zusammen. Wichtige Faktoren sind hohe Qualität bei Grafik, Sound und speziellen Effekten wie beispielsweise Vibrationen. Nicht zuletzt müssen Handy-Spiele bei dauerhaft hohem Unterhaltungswert einfach, ja geradezu intuitiv handhabbar sein. Die Lektüre einer langen "Gebrauchsanweisung" ist Gift für den spontanen Daddelspaß. Dabei hat die Zukunft des mobilen Gamings nach meiner festen Überzeugung gerade erst begonnen: Handydisplays werden nicht nur größer, sondern auch qualitativ noch erheblich verbessert. Das Mega-Pixel-Handy steht schon bald in den Verkaufsregalen. Parallel dazu wachsen die Grafikanforderungen. Der Sound wird immer realistischer. Polyphone Klingeltöne gehören schon heute zum Standard, "Realmusic" - Songschnipsel in CD-Qualität (remastered Recordings) - sind im wahrsten Sinne des Wortes keine Zukunftsmusik mehr.
Zur Person
Jan Wuppermann
… ist Abteilungsleiter Vodafone Service Content Products. Er zeichnet für Contentprodukte und Service verantwortlich. Bevor er zu Vodeafone kam, war Wuppermann u.a. für Ravensburger Interactive und Roland Berger & Partner beschäftigt. Er hat an der WHU Koblenz, in Paris (ESSEC) und Helsinki (HSEBA) studiert.
Jedes Game muss zudem auf den technischen Grundvoraussetzungen der Hardware aufsetzen. Neben einem ausreichend großen Speicher ist das natürlich die Java-Engine. Das Problem dabei: Bislang müssen Spieleentwickler ihre Produkte immer wieder an die Handys unterschiedlicher Hersteller anpassen. Zwar gehorchen die meisten Geräte dem aktuellen Java-Standard MIDP 1.0 (Mobile Intelligence Device Protocol), doch jeder Anbieter von Mobiltelefonen verändert die Norm entsprechend seinen individuellen Bedürfnissen mit der Folge, dass nicht jedes Java-Spiel auf jedem Java-Handy funktioniert. Vodafone bietet Downloadspiele deshalb maßgeschneidert für jeden Handytyp an. Auch wenn die Problematik durch Einführung des MIDP 2.0-Standards mit deutlich erweitertem Befehlsumfang schon bald der Vergangenheit angehören dürfte, geht Vodafone bei seinen Qualitätsansprüchen deutlich darüber hinaus. Wir fordern mit dem Vodafone-Service-Class-Library (VSCL)-Standard eine nochmals deutlich höhere Norm ein und machen den Hardwareherstellern klare Vorgaben, um die technischen Voraussetzungen für gute Handygames weiter zu verbessern. Ziel ist es, die Spielmöglichkeiten eines Handys durch zusätzliche Features optimal auszunutzen.
Lange Produktzyklen, gelangweilte Gamer
Handygames sollen dadurch noch bunter, besser und schneller werden. Unsere Bemühungen werden von den Entwicklern sehr gern gesehen, weil es ihnen bei der Umsetzung von Games auf dem Handydisplay natürlich deutlich mehr Möglichkeiten eröffnet. Die Spieleindustrie scheint diesen heute schon attraktiven Markt der Load-A-Games allerdings viel zu langsam zu berücksichtigen. Entweder weil sie sich an der "installed base" von PSone, PS2 und Xbox orientieren und dabei die internationale Stärke von Vodafone übersehen, oder weil sie das Thema grundsätzlich noch nicht erkannt haben. Hier bieten wir Möglichkeiten, schnell gemeinsam zu lernen und Geld zu verdienen. Gehörten anfangs vor allem Nostalgiker zu den Käufern unserer mobilen Spiele, zeigen seither die beständigen Qualitätsverbesserungen Wirkung: Immer breitere Kundenschichten nutzen ihre Mobiltelefone inzwischen auch zum Spielen. Dazu gehören mehr und mehr Gamer, die wissen, was auf den Konsolen angesagt ist, und das auch auf dem Handy ausprobieren möchten. Als Folge sehen wir einen Trend zu Spielen, die mit Markennamen verknüpft sind und somit einen hohen Wiedererkennungswert besitzen. "Fifa Football 2004" gehört zu den Topgames, "Tomb Raider" läuft sehr gut und wird rege nachgefragt, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Die Zukunft der Handygames heißt Multiplayerspiele. Relativ einfach und schnell zu realisieren sind so genannte zugbasierte Konzepte wie etwa elektronische Versionen von Mühle, Dame oder Schach. Den großen Durchbruch erwarten wir allerdings mit Actionspielen, die nahezu in Echtzeit ablaufen. Auch hier wird der "Schwitzfaktor" eine entscheidende Rolle beim Spielspaß und somit bei der Kundenakzeptanz spielen. Wegen der unvermeidlichen Signallaufzeiten stellt diese Variante von Multiplayerspielen allerdings eine große Herausforderung dar, an der wir uns aber messen lassen wollen.