Keine Negativauswirkungen durch JuschG befürchtet
Das zum 1. April in Kraft getretene Jugendschutzgesetz wirkt sich nicht nur auf den Spieleverkauf im Handel aus, es stellt auch alle Beteiligten der GC - Games Convention vor eine Herausforderung. Allerdings vor keine unlösbare, wie die Aussteller gegenüber GamesMarkt.de bekräftigen. Vor allem die "Bändchen-Regelung" wird als Erleichterung empfunden.
Für den Handel sind die Bestimmungen des seit vier Monaten geltenden Jugendschutzgesetzes schon ein alter Hut: Kindern und Jugendlichen darf ein Spiel nur noch dann zugänglich gemacht werden, wenn es eine entsprechende Altersfreigabe hat. Das gleiche Problem, das der Handel bei der Präsentation im Ladenlokal hat, trifft nun auch auf die Aussteller der GC zu: Wer es zulässt, dass ein Kind ein Spiel aktiv oder auch nur passiv konsumiert, das nicht entsprechend freigegeben wurde, der begeht eine Ordnungswidrigkeit. Damit der Messebesuch nicht zum Personalausweisschaulaufen wird, haben sich die Organisatoren von der Leipziger Messe eine "Bändchen-Regelung" einfallen lassen: Schon beim Eingang bekommt jeder Besucher ein Bändchen in der Farbe des entsprechenden USK-Stickers.
Bei den Ausstellern stößt die Regelung auf Gegenliebe: "Durch das farbige Bändchen, das jeden Messebesucher einer Altersgruppe zuordnet, fallen uns Alterskontrollen am Messestand deutlich leichter", ist Frank Holz, Marketing Director bei Atari, ob der Hilfestellung dankbar. Sie trage zweifelsohne dazu bei, den Messeverlauf reibungsloser zu gestalten. Auch bei Acclaim Entertainment wird die Vorgehensweise grundsätzlich begrüßt."Abzuwarten bleibt nur, wie sich das Ganze in der Realität behaupten kann, oder ob sich ein regelrechter 'Schwarzmarkt' für die begehrten roten Armbänder entwickelt", so Peter Weiß, PR Manager und Producer Acclaim Entertainment. Für die Aussteller sei dies sicherlich eine einfache Methode, da Ausweiskontrollen oder andere Unannehmlichkeiten entfielen.
Dem stimmt auch Dr. Jens Uwe Intat, Geschäftsführer Electronic Electronic Arts Central Region, zu: "Unter den gegebenen Umständen bzw. Vorschriften ist das eine sehr praktikable Lösung." Die Bändchen-Regelung mache die Alterskontrolle für alle Beteiligten wesentlich einfacher, sei genau so sicher wie die Ausweiskontrolle, und insbesondere die Jugendlichen seien so etwas von Disko und Sport gewohnt.
Dass Bändchen bei Teens durchaus "in" sind, ist auch für Manfred Gerdes ein Argument für diese Regelung. "Außerdem sind sie ein sehr gutes Instrument, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass wir Jugendschutz wirklich ernst nehmen und nicht nur als Fassade zur Imageaufwertung benutzen", sagt der Geschäftsführer von Sony Computer Entertainment Deutschland. Eltern würden zudem die Sicherheit erhalten, dass die Industrie auf der Messe dafür Sorge trage, dass die Software nur von jenen Kindern und Jugendlichen ausprobiert werden kann, die das entsprechende Alter vorweisen können. Dass wiederum ist für viele auch ein Argument, warum trotz der verschärften Jugendschutzbestimmungen ein mögliches Ausbleiben von Besuchern nicht zu befürchten ist. "Ich denke, durch die neue Strukturierung wird Erziehungsberechtigten eine Tür geöffnet, durch die sie sorglos hindurchgehen können", meint Raoul Birkhold, Head of PR bei THQ. Statt Bedenken haben zu müssen, ob die Kinder Spiele sehen, die nicht für ihre Altersgruppe geeignet sind, könnten Eltern die Show "ganz entspannt genießen".
Bänder-Regelung praktikable Lösung
Ähnlich sieht es auch Boris Schneider-Johne, Marketing Manager Xbox Live Deutschland Microsoft. Familien könnten die Messe besuchen, ohne ständig aufpassen zu müssen, welche Inhalte die Kinder anschauen. "Gleichzeitig müssen Erwachsene auf keine Inhalte verzichten. Die Präsentationsmöglichkeiten sind also nicht eingeschränkt, sondern für die Vielfalt der Besucher optimiert", so Schneider Johne. Dass die neuen Jugendschutzbestimmungen und die damit verbundenen Kontrollen keinerlei Auswirkungen auf die Besucherzahlen haben werden, glaubt auch Martin Schneider,Manager Consumer Software Konami of Europe. "Nachdem der große Erfolg im letzten Jahr sogar die zunächst ferngebliebenen Aussteller überzeugen konnte, gehe ich fest von deutlich gestiegenen Besucherzahlen im Jahr 2003 aus." Schneider glaubt auch nicht, dass eine eventuell etwas länger dauernde Eintrittsprozedur die Begeisterung der Konsumenten einschränken wird. "Für die ausstellende Industrie bedeutet diese Regelung eine große Hilfe. Sie erleichtert die gesetzeskonforme Durchführung der Produktpräsentationen", steht auch Schneider der "Bändchen-Regelung" positiv gegenüber.
Mit einem nicht ganz so reibungslosen Messeverlauf, bis sich die Kontrollregelungen eingespielt haben, rechnet Activision. Allerdings ist man auch dort überzeugt, dass sich die neuen Regelungen nicht auf die Besucherzahlen auswirken werden. "Auf alle Fälle negativ wirkt sich die neue Jugendschutzregelung auf die Kostenstruktur der Messeauftritte aus, wegen zusätzlicher Kosten für 'ab-16-' bzw. 'ab-18-Areas' sowie für Kontrollpersonal", gibt Bernd Reinartz, Activision, zu bedenken. Dass die Spiele entsprechend der Alterskennzeichnung in die richtigen Spielerhände gelangen, ist auch TDK mediactive Europe wichtig."Die neuen Regelungen haben jedoch im Rahmen der Vorbereitung der GC zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Planung und Konzeption unseres Messeauftritts geführt", bestätigt auch Heiko tom Felde, European Director TDK mediactive, zusätzliche Bemühungen der Aussteller im Vorfeld der Messe. Vor allem Produkte, die sich in noch einer frühen Entwicklungsphase befänden, hätten die Vorbereitungen deutlich unsicherer gemacht. Bei der Umsetzung der Jugendschutzbestimmungen setzt TDK auf unterschiedliche Bereiche am Stand. "Um unsere Titel einer möglichst breiten Öffentlichkeit vorzustellen, haben wir uns dabei entschieden, unterschiedliche Versionen unserer Titel vorbereiten zu lassen. So wird es auch im offenen Bereich altersentsprechend aufbereitete Titel zum Probespielen geben, die im geschlossenen Bereich in einer Fassung für das ältere Publikum zu sehen sind", erklärt tom Felde.
Die speziellen Rahmenbedingungen berücksichtig hat auch Ubi Soft. Der diesjährige Stand ist laut Geschäftsführerin Odile Limpach geprägt von drei großen Themenwelten, die so viel Transparenz böten, dass sie nicht wie abgeschlossene Räume wirkten. Die Eingänge könnten aber dennoch genauestens kontrolliert werden. "Wir setzen zudem Game-Supervisors an allen Stationen ein, die für das Thema sensibilisiert sind und vorab noch speziell geschult werden, um richtig mit Reaktionen, wie z. B. Enttäuschung, umgehen zu können, Jeder Besucher soll an unserem Stand seinen Spaß haben", erläutert Limpach das Konzept des französischen Publishers. Außen vor in puncto Jugendschutz bleibt in diesem Jahr Codemasters. Besondere Gedanken musste sich das Unternehmen nicht machen, da alle auf der Messe gezeigten Highlights gewaltfrei sind. Prinzipiell steht jedoch auch Codemasters dem Kontrollsystem positiv gegenüber. "Wir haben mit unserer Restricted-Area im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht", berichtet Fabian Döhla, PR-Manager Codemasters. "Diesmal hat sich uns die Frage des Jugendschutzes nicht gestellt." Kein Problem hinsichtlich Jugendschutz schon aus Portfoliogründen hat auch Buena Vista Games (BVG).Doch selbst für "Tron 2.0", das eine USK ab 12 Jahren hat, wurden Maßnahmen getroffen, um die Zugänge zum Stand genau kontrollieren zu können. Einen Rückgang der Ausstellerzahlen auf Grund der Rahmenbedingungen befürchtet Cornelia Fausel, Presse & PR bei BVG, nicht. Eher würden einige Produkte für Kids noch interessanter, wenn diese sie nicht sehen können. "Und ich glaube, die Branche muss ein deutliches Signal für die Öffentlichkeit setzen, das wir es mit der Umsetzung der neuen Jugendschutzregelungen ernst meinen", so Fausel.