local.hero: Mit Trendartikeln und Kundenservice die Zukunft sichern

Der Verkauf von Games ist ein hartes Geschäft. Die Margen gerng, die Kokurrenz groß. Doch Timo Koschnick hat den Dreh raus
Der Verkauf von Games ist ein hartes Geschäft. Die Margen gerng, die Kokurrenz groß. Doch Timo Koschnick hat den Dreh raus © None

Zwischen Teutoburger Wald und Weserbergland liegt die alte Hansestadt Lemgo. Seit dem Hochmittelalter hat der Handel hier Tradition. Diese schreibt Jungunternehmer Timo Koschnick (29) fort. Nur, statt eines Tuchwarenhandels betreibt er einen McMedia Schnäppchen Shop. Und dank seines merkantilen Geschicks und eines cleveren Marketings ist er am Ort die Nummer eins, wenn Games & Co. gefragt sind.

Mitte Juli. Sengende Hitze liegt über der ostwestfälischen Stadt Lemgo. Während der Mittagsstunden halten sich kaum Passanten in der Einkaufsmeile, der Mittelstraße, auf. Lediglich vor der denkmalgeschützten Fassade des McMedia Schnäppchen Shops tummelt sich ein gutes Dutzend Schüler. Die Köpfe zusammengesteckt, tauschen sie ihre neueste Erwerbung: Yu-Gi-Oh-Karten, eines der ganz großen Trendthemen dieses Sommers. Über den Umsatz mit den begehrten Sammelkarten freut sich Timo Koschnick, Inhaber von inzwischen fünf Geschäften: "Die Karten sind der Renner. Pro Tag und Laden setze ich damit 500 bis 600 Euro um. Da sie mit 100 Prozent kalkuliert sind, macht die Sache richtig Spaß."

Games allein machen den Braten nicht fett

Koschnick liebt die Selbständigkeit. Den Drang dazu spürte er schon früh in sich aufkeimen, die ersten Schritte dahin unternahm er noch während der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem TV/HiFi-Geschäft. Erste Kunden- und Warenkontakte sammelten er und sein Arbeitskollege Michael Heistermann, mit dem er die fünf McMedia Schnäppchen Shops betreibt, auf Flohmärkten. Weitere Erfahrungen erarbeiteten sie sich im Saisongeschäft, indem sie über die Wintermonate Eisdielen als stationäres Experimentierfeld nutzten. Schnell zeigte sich, dass mit Markenspielwaren und Sonderposten Geld zu verdienen war. Konsequent eröffneten die Jungunternehmer im Mai 1996 ein 45 Quadratmeter großes Geschäft in Detmold. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Schnäppchen Shop, dem sie bis heute treu geblieben sind. "Nur wenige Monate später, im Oktober, kam ein zweites Geschäft in Lemgo dazu, 150 Meter von Karstadt entfernt, 150 Quadratmeter groß. Das Problem war nur, dass die klassischen Spielwaren irgendwann nicht mehr so liefen. Ein neues Sortiment musste her", sagt Koschnick.

Da Probieren bekanntlich nicht viel kostet, entschied man sich für gebrauchte PC- und Videospiele. Das Konzept ging auf. Sofort bemühten sie sich um das Neuheitengeschäft. Erster Lieferant wurde Sony Computer Entertainment. Der Kontakt kam über einen Mittelsmann, am Ende stand eine Geschäftsbeziehung, die bis heute reiche Früchte trägt. Die Kombination aus Gebrauchtspielen und Neuheiten - inzwischen bieten sie für alle Systeme Hardware, Software und Zubehör an - zahlte sich aus. "Nur in dieser Konstellation hat es Sinn", betont Koschnick. "Das reine Neuheitengeschäft, ohne Zusatzverkauf gebrauchter Spiele, rechnet sich nicht. Die Spanne ist zu gering. Davon kann keiner leben. Ein neues Spiel ist mit 20 Prozent kalkuliert, ein gebrauchtes mit 100." Als Beispiel führt er das aktuelle Game "Tomb Raider" an: "Lara steht überall mit 49,90 Euro im Handel. Das ist mein EK. Damit kann ich also kein Geld verdienen." Spült denn wenigstens der Hardwareverkauf Geld in die Kassen, will der Reporter wissen und erntet ein müdes Lächeln: "Hardware? Das ist reiner Kundenservice. Wenn ich nicht die drei Prozent Skonto vom Lieferanten bekäme, müsste ich draufzahlen." Das Einzige, was richtig Spaß mache, sei das Zubehör. Deshalb sei auch die zusätzliche Aufnahme von Trendartikeln ins Sortiment eine reine Überlebensfrage. Dazu zählen auch die bereits erwähnten Sammelkarten. In der geschilderten Spannenmisere sieht Koschnick auch die Hauptursache für die fehlenden klein- und mittelständischen Independenthändler. Heute, sieben Jahre nach dem ersten Geschäft, betreibt er fünf Filialen. Neben den beiden in Detmold und Lemgo (450 qm) betreibt er welche in Lage (120 qm), Paderborn (60 qm) und Minden (80 qm).

Spiele- und Videoverleih auf der To-do-Liste

Beim bislang mit 450 Quadratmetern größten Objekt in Lemgo hat Koschnick auch nur deshalb zugeschlagen, weil es sehr günstig war. Dass er die riesige Fläche sinnvoll und umsatzbringend nutzen kann, steht für ihn außer Frage, nur über das Wie denkt er noch nach. Erste Ideen hat er schon. So wird im ersten Stock ein Video- und Spieleverleih eingerichtet. Die Grundausstattung hat er jüngst von einem Videothekar in Ostdeutschland gekauft, der sein Geschäft aufgeben musste. Denkbar sei auch die Schaffung abgetrennter Bereiche, in denen er während der Geschäftszeiten für 16- oder 18-jährige Kunden Mini-LAN-"Partys" veranstalten könnte. "Ein weiterer Service, der die Kunden bindet." Grundsätzlich ist Koschnick auf Zack, wenn es um Kundenservice und -bindung geht. Hier nutzt er alle Gelegenheiten, so auch die GC. "Derzeit organisiere ich eine Busfahrt zur GC. In allen Filialen hängen Anmeldeformulare. Rund 50 Personen haben sich schon eingetragen."

Anderes Beispiel: Seit drei Jahren veranstaltet er die "Gamer's Night" für alle Stammkunden. Im kleinen Rahmen gestartet, zählte die dritte Veranstaltung im vorletzten Jahr schon 400 Gäste, die sich an kommenden Neuheiten oder Hardwaresystemen erfreuen konnten. Contests, Disco und ein Buffet runden das Angebot ab. "Dieses Jahr, Ende Oktober, planen wir ein sehr großes Event, für das wir die Lipper Halle in Lemgo mieten werden." Gerade diese Events seien es, über die Koschnick für seine Geschäfte einen sehr positiven Werbeeffekt erzielt. "Diese Aktionen sprechen sich wie ein Lauffeuer herum. Das ist für unsere Zwecke das mit Abstand beste Werbemittel." Das Beispiel Koschnick zeigt: Man kann auch mit Games Geld verdienen. Doch der Erfolg hat seinen Preis: "Selbständigkeit heißt 'selbst, und das ständig'." Hauptsache, es macht Fun. Weitere Expansion nicht ausgeschlossen.

Read more