Neue Perspektiven für deutsche Entwickler

Neue Perspektiven für deutsche Entwickler
© None

Am 19. und 20. August fand im Vorfeld der Leipziger Games Convention die erste Developer Conference statt. Hier reichten sich die deutsche Entwicklerszene und internationale Größen die Hand - nicht nur zum Erfahrungsaustausch, sondern auch um sich technisch und wirtschaftlich weiterzubilden.

Deutschland steht mit seiner Entwicklerszene im internationalen Vergleich nach wie vor weit hinten. "Zeit für mehr Zusammenarbeit", dachten sich auch die Initiatoren der GC - Developer Conference. Der zweitägige Kongress im Vorfeld der Leipziger Messe gewährte den rund 150 Teilnehmern Einblicke in neue Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und ließ die Szene näher zusammenrücken. Nach der Eröffnungsansprache von VUD-Geschäftsführer Hermann Achilles ergriff Jay Powell von Octagon das Wort zur ersten Keynote der Veranstaltung.

Hier mahnte Powell, sich nicht auf nur einen Publisher zu verlassen, sondern stets alle Optionen offen zu halten. In der Folge ging Powell auf die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Plattformen ein. Gerade bei der PS2 riet er deutschen Entwicklern eher zu Low-Cost-Produktionen, schließlich sei die Lizenzierung für Teams ohne entsprechenden Track Record kaum möglich. Die verschiedenen Arten der Vertragsgestaltung mit dem Publisher waren ein weiteres Schwerpunkthema der Keynote.

Nach Powells Rede hatten die Teilnehmer die freie Wahl zwischen Veranstaltungen in vier Räumen. So war sichergestellt, dass jeder mit den passenden Themen angesprochen wurde. Eins davon waren alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Spiele. Hier wies Dr. Benedikt Wemmer von der Kanzlei Brehm & von Moers auf Förderungen und Fonds zur Spielefinanzierung hin. Neben dem im games.markt Nr. 16 vorgestellten Gamesfonds der Unternehmensgruppe bvt kündigte Wimmer noch für dieses Jahr einen Konkurrenzfonds an. Teut Weidemann, Geschäftsführer von Wings Simulations, lieferte dem Publikum mit seiner Nachmittags-Keynote die kontroverseste Rede des Kongresses. In gewohnt direkter Manier nahm Weidemann kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, Missstände bei den Publishern und den Entwicklern selbst aufzudecken. Gerade die mangelnde internationale Vermarktbarkeit deutscher Entwicklungen prangerte er an.

Mobile Entertainment war eindeutiges Schwerpunkthema am 20. August. Die erste Keynote des Tages hielt Stefan Lampinen von Nokia, der den Hoffnungsträger N-Gage präsentierte. Wie man mit mobilen Spielen tatsächlich Geld verdienen kann, versuchte Jan Andresen von elkware zu demonstrieren. Mit einem sieben Mann starken Team wartete die European Developers Tour, angeführt von Discreet, auf. Nach einigen rein technischen Vorträgen hatte man gegen Ende noch mal die Wahl, im Workshop Teut Weidemanns Vortrag vom vergangenen Tag neu aufzurollen oder von Bernhard Ewers, Geschäftsführer TriNodE Systems, mehr über Lizenzverhandlungen zwischen Publishern und Rechtevermarktern zu erfahren.

Die Grundstimmung der Veranstaltung zeigte, dass sich in der deutschen Entwicklerszene etwas bewegen muss - und zwar aufeinander zu. Spezialisierung und Konzentration auf die Kernkompetenzen sei das Ziel, das deutsche Developer verfolgen sollten, um sich auch international zu verdingen. Vorhandenes Know-how müsse auch auf andere Teams transferiert werden, eine Forderung, die auf breite Akzeptanz der Teilnehmer stieß. Auch der Ruf nach einem bundesweiten deutschen Entwicklerverband wurde mancherorts laut. G.A.M.E. und die Northstar Developers machen es gerade im regionalen Bereich vor, wie Entwicklernetzwerke in Deutschland funktionieren können. Klar war auch: Die Position des Entwicklers gegenüber den Publishern muss gestärkt werden, aber nicht durch gegenseitige Anfeindung und Abgrenzung. Aus eigener Kraft müsse das neue Selbstbewusstsein der deutschen Entwicklerszene entstehen, durch die Akquise neuer Finanzierungsmodelle und Professionalisierung der Teams auch auf der wirtschaftlichen und rechtlichen Seite.

Read more