Nintendo erteilt ausufernder Bundlestrategie klare Absage

Nintendo erteilt ausufernder Bundlestrategie klare Absage
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Nach dem verhaltenen Start von N-Gage hat Nintendo im Handheldgeschäft vorerst nichts und niemanden zu fürchten und setzt seinerseits durch die GameCube-Preissenkung den Mitbewerb bei den TV-basierten Konsolen unter Druck. games.markt sprach mit Axel Herr, Managing Director Sales/Marketing Germany, über Nokias Handy-Handheld-Hybriden, die Entwicklung des Mobile-Gaming-Markts und Nintendos Herbstoffensive für den GameCube.

gm: Wie beurteilen Sie den N-Gage-Start?

Axel Herr Auf Seiten der Distribution ist für Nokia sicher nicht alles optimal gelaufen. Unsere Aussage, dass die Materialschlacht mit zwei oder auch drei Displays in jedem Outlet nicht ausreicht, hat sich bewahrheitet. Vielmehr wären Basisarbeit und ein konzentriertes Vorgehen im Handel notwendig gewesen. Ich selbst bin in Telekommunikationsläden auf eine Ratlosigkeit gestoßen, wie ich sie bei einem Launch noch nicht erlebt habe. Viele Geschäfte hatten keine Ware. Die Verkäufer kannten sich meist nicht aus, wussten nicht, welche Spiele erhältlich sind und waren oft nicht in der Lage, das Gerät vorzuführen. Wir laden die Firma Nokia nun zu gern ein, dem Markt die Zahlen offen zu legen. Unserer Meinung nach kann man in der Bundesrepublik Deutschland bei einer verkauften Stückzahl von unter 50.000 Units am Startwochenende nicht von einem Launch sprechen. In Hinblick auf die Medienberichterstattung und aus Gesprächen mit dem Handel erwarten wir ein Resultat im dreistelligen, vielleicht gerade eben im vierstelligen Bereich. Wenn ich dies zu beurteilen hätte, würde ich es als relativ unglücklich bezeichnen.

gm: Spiele auf Mobiltelefonen gibt es nicht erst seit N-Gage. Ist Download-Gaming ein Konkurrent für den Game Boy?

Herr: Download-Gaming ist separat zu sehen und hat mit Sicherheit eine große Zukunft. Allein die Tatsache, dass Personen wie Jürgen Goeldner und Michael Nürnberg, die die Spielebranche wie ihre Westentasche kennen, sich mit diesem Segment identifizieren können, hat für mich eine gewisse Aussagekraft. Die Spiele selbst sind komplementär zu unserem Geschäft und am ehesten mit SMS-, MMS- oder E-Mail-Diensten zu vergleichen.

gm: Prinzipiell konkurrieren Sie aber um dasselbe Taschengeld...

Herr: Das sehe ich anders. Der Download von Games schlägt sich in der allgemeinen Handyabrechnung nieder und wird nicht als Ausgabe für Videospiele wahrgenommen. Ich bin davon überzeugt, dass Jugendliche, ungeachtet der Kosten für Download-Games und SMS, einen Game Boy kaufen oder eben auch nicht. Im Gegenteil: Eher werden Synergien und eine positive gegenseitige Befruchtung stattfinden.

gm: Fürchten Sie die Markteinführung von Sonys PSP, die im nächsten Jahr ansteht?

Herr: Bislang wurden nur wenige Details über PSP öffentlich bekannt. Allerdings wissen wir, was uns technisch in etwa erwartet. Die entscheidende Frage wird jedoch sein, ob dies zu einem massenmarktfähigen Preis vermittelbar ist. Natürlich darf man Sony nicht unterschätzen. Wir haben uns schon einmal schuldig gemacht, Sony unterschätzt zu haben. Sony wird ein fantastisches Gerät bauen. Nur, es gibt viele fantastische Geräte. Und als Vermarkter von Telefon, MP3-Player, Disc-Player etc. besteht für Sony immer auch die Gefahr, sich in Konkurrenz zu den eigenen Produkten zu begeben.

gm: Sie stehen dem PSP also eher skeptisch gegenüber?

Herr: Der PSP wird definitiv seine Käuferschaft finden. Ob PSP jedoch zum iPod des Mobile Entertainment wird, vermag ich nicht zu sagen. Die Zielsetzung mit PSP geht viel stärker Richtung Multimedia, also Musik und Film, und wird deshalb auch eine andere, vielleicht ältere und zahlungskräftigere Zielgruppe ansprechen. Auf diesen Markt spekulieren im Übrigen auch viele andere Unternehmen. Der relevante Punkt ist: Je mehr sich diese Geräte Richtung Multimedia bewegen, desto mehr erschließen sie Marktsegmente, die nicht mit uns im Wettbewerb stehen. Am Ende könnten sich diese Produkte ähnlich komplementär verhalten wie heute GBA SP und iPod.

gm: Zu den TV-basierten Konsolen. Nintendo hat in diesem Herbst den Preis reduziert. Wird der Mitbewerb nachziehen?

Herr: Das ist nie auszuschließen und hängt davon ab, wie erfolgreich wir mit dem neuen Preispunkt über einen längeren Zeitraum hinweg sein werden. Manfred Gerdes und Hans Stettmeier wissen sehr wohl, dass Weihnachten traditionell "Nintendo-Zeit" ist. Im Moment rechne ich persönlich jedoch nicht mit Preissenkungen beim Mitbewerb, da die Geräte unterschiedlich positioniert sind. GameCube ist komplementär zu den anderen Konsolen.

gm: Statt neuer Preise besteht auch die Möglichkeit immer neuer Bundles. Nintendo hält sich da bislang zurück. Warum?

Herr: Polemisch ausgedrückt, fragen wir gern bei den Kollegen nach, wer wie viel Software verkauft und wie viel verschenkt hat. Im Grunde geht es aber darum, dass die Bundleangebote in Deutschland meist wenig transparent sind. Der Verbraucher blickt bei den zahlreichen Angeboten kaum noch durch und wird verunsichert. Diesen Overkill wollen wir vermeiden. Auch wir haben Bundles, doch diese sind klar umrissen und zu erkennen. Eine ausufernde Bundlestrategie wird es bei Nintendo nicht geben.

gm: Wozu dann überhaupt noch Bundles?

Herr: Wenn man den eigentlichen Preis nicht verändern kann, sind Bundles ein probates Mittel, um ein Produkt in den Augen der Konsumenten preiswerter zu machen. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Verbraucher noch immer 199 oder 249 Euro bezahlen muss. Wir sind der Meinung, der Kunde soll selbst entscheiden, ob er nach dem Kauf eines GameCube 100 Euro für den Kauf neuer Software ausgibt oder ob er zunächst auf die Spiele seiner Freunde zurückgreift. Man darf die installierte Hardwarebasis nicht vergessen: Es gibt bereits viele Leute, die einen GameCube besitzen.

gm: Aber noch mehr haben eine PS2...

Herr: Das ist richtig. Allerdings muss man sich die Frage stellen, wann die Penetration einen Peak erreicht hat. Die PS2 ist eine hervorragende Konsole, und die Konsumenten sind sicherlich zufrieden. Doch wer eine PS2 hat, wird keine zweite, sondern ein anderes Produkt kaufen. Wir wollen die zweite Konsole im PS2-Haushalt sein, daraus machen wir kein Hehl.

gm: Wie viele GameCube hat Nintendo in Deutschland bislang verkauft?

Herr: Wir sind jetzt bei 315.000 Stück. Das ist Stand KW 43, also die Woche nach der Preissenkung. Allein am ersten Wochenende nach der Preissenkung wurden 15.000 Stück verkauft.

gm: Ihr Ziel fürs Weihnachtsgeschäft?

Herr: Nach wie vor wollen wir zum Weihnachtsgeschäft an der installierten Basis von Microsoft vorbeiziehen und Sony so gut wie möglich Paroli bieten. Denn man darf nicht unterschätzen, dass sehr viele Verbraucher PlayStation 2 kaufen werden.

gm: Gerät durch den neuen GameCube-Preis nicht der für den GBA SP unter Druck?

Herr: Der Preis eines portablen DVD-Players ist nicht mit dem eines normalen Players vergleichbar. Entsprechend muss man auch bei GameCube und GBA differenzieren. Die Einsatzspektren sind völlig unterschiedlich, ebenso die Technologie. Die Kunden nehmen Waren- und Preisangebote anders wahr, als wir von der Industrie das tun. Der Kunde wählt eine Spielkonsole auch nicht annähernd so aufwendig aus, wie wir meinen. Die meisten USPs, die von der Industrie kommuniziert werden, spielen oft eine relativ untergeordnete Rolle. Faktoren wie Peergroup-Pressure beeinflussen die Kaufentscheidung weit stärker. Ich habe deshalb keine Sorge, dass sich der GameCube-Preis negativ auf den Absatz von GBA und GBA SP auswirkt, zumal wir den Gegenbeweis bereits geführt haben: Die Verkaufszahlen von GBA und GBA SP entwickeln sich linear nach oben. Es gab keine GameCube-Delle, in keiner Form.

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