"Rise To Honour": Viel Feind, viel Ehr
Anfang der Neunziger boomten Hongkong-Actionfilme, heute sind Martial-Arts-Mimen wie Jackie Chan Hitgaranten in Hollywood. Kollege Jet Li soll nun "Rise to Honour", einem PS2-Prügler, zum Durchbruch verhelfen.
Kenner reagieren gewöhnlich skeptisch, wenn Spielsoftware allzu stark von Hollywood beeinflusst ist. Unvergessen sind die grauenvollen,interaktiven Filme' der Neunziger, zu frisch ist die Enttäuschung über Lizenzgurken wie "Robocop" oder "Terminator 3". Natürlich gibt es Ausnahmen - vor allem, wenn nur populäre Kinothemen oder -figuren den Weg ins Spiel finden, die Handlung selbst aber kein direktes Filmvorbild hat. Sonys Foster-City-Studio geht mit "Rise To Honour" einen ähnlichen Weg wie Electronic Arts mit den "James Bond"-Titeln: Ästhetik, Setting und Hauptfigur sind der Leinwand entliehen, die Story aber ist eigenständig und muss sich nicht an Charakterentwicklung und Erzähltempo eines 90-Minuten-Streifens orientieren. Die Inspiration von "Rise To Honour" ist der Hongkong-Actionfilm - und bereits nach wenigen Minuten wundert sich der Spieler, warum dieses Genre nicht häufiger versoftet wird. Inhalte wie der akrobatische Einsatz von Faust- und Schusswaffen, atemberaubende Verfolgungsjagden und fiese Gegner in massiver Überzahl eignen sich hervorragend für ein kurzweiliges interaktives Actionspektakel.
Die Inszenierung desselben ist den Sony-Entwicklern hundertprozentig gelungen, nicht zuletzt, weil zwei Großmeister fernöstlicher Prügelei an der Entstehung von "RTH" beteiligt waren. Zum einen ist da Jet Li - neben Jackie Chan der erfolgreichste Hollywoodexport Hongkongs ("Romeo Must Die", "Kiss of the Dragon"). Der 40-jährige Mime leiht der Hauptfigur Körperbau, Gesicht und Stimme und stand in etlichen Motion-Capturing-Sitzungen Pate für die vielfältigen Animationen. Hinzu kommt der renommierte X-Men" die Prügelszenen choreographierte und im Spiel Regie über die Kampfsequenzen führte.
Passend zum Genre ist die Story reichlich dünn: Jet Li respektive der Spieler übernimmt die Rolle von Kit Yun, dem Leibwächter eines Hongkong-Paten. Kurz bevor dieser eines nicht ganz natürlichen Todes stirbt, bittet er Kit, seiner in San Francisco lebenden Tochter eine Nachricht zu überbringen. Doch Kit ist nicht der Einzige, der hinter der schnuckligen Asiatin her ist: In einer Action-Tour-de-Force stehen hunderte Gegner zwischen Spieler und Happy End. Die Schlägerscharen werden je nach Level mit Fäusten und Füßen bzw. mit einem Kanonendoppel aus dem Weg geräumt. Dabei gelingt den Entwicklern die Kombination aus simpler Bedienung und coolen Kämpfen: Über den rechten Analogstick wird in alle Richtungen geprügelt - mit etwas Übung gelingen rasante Combos und Mehrfachtreffer. Wann immer ein besonders geschickter Schlag platziert wird, schaltet das Spiel selbständig in andere Kamerawinkel oder eine "Matrix"-Zeitlupe um. Je nach Situation wird mit einer Schultertaste gesprungen, in Deckung gegangen oder pariert, eine andere feuert Pistolen ab - so Kit gerade welche trägt. Inszeniert ist das Ganze als streng lineare Hatz durch abwechslungsreiche Kulissen, stetig unterbrochen von Storyschnipseln mit höhnenden Unholden und effektvollen Explosionen. "RTH" ist schnell, spannungsgeladen und seicht - ein Spiel wie Popcornkino.