side.kick: Oliver Kaltner, Managing Director Sony Music Media GSA

Oliver Kaltner
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In Zeiten wirtschaftlicher Stagnation, Politikverdrossenheit, geiziger Verbraucherstimmung, erkennbaren Wertverlusts und Hängeschultersyndroms auf Seiten von Industrie und Handel fehlt erfahrungsgemäß manchmal ein wenig der unternehmerische Weitblick, und selten richtet er sich auf bisher unausgeschöpfte Potenziale. Vor diesem Hintergrund ruft Oliver Kaltner zur Kooperation auf.

Unstrittig gerät unsere Industrie im Gesamten immer mehr unter Umsatz- und Profitdruck, da in der Wahrnehmung einiger, nicht unwesentlicher Konsumentengruppen unsere Produkte zu austauschbaren, frei verfügbaren, ungeschützten und fast seelenlosen "Bits and Bites Products" verkommen sind. Der Wertigkeitsverlust der Trägermedien CD/DVD führt zunehmend dazu, dass die originäre Kreativleistung nicht mehr erkannt, geschweige denn honoriert wird. Ströme illegaler Waren aus Fernost, sich ausbreitende Schulhofpiraterie und kein Ende? Ist die Entertainmentindustrie diesem Trend hoffnungslos ausgesetzt? Mitnichten! Gerade in Krisenzeiten wird immer besonders deutlich, welchen Stellenwert Entertainment für die Gesellschaft hat. Ganz gleich, ob Game, Musik oder Film, unsere Branche dient als Spaßmacher oder auch Trostspender für die Menschen. Entertainment ist schlichtweg ein kulturelles und unverzichtbares Gut aller.

Alle Industrievertreter sind nun als lösungsorientierte Impulsgeber gefragt, die nach neuen Trägermedien, attraktiveren Produktangeboten und optimierten, zielgruppenaffinen Serviceleistungen suchen müssen. Dabei gilt es, die Konsumenten, deren Bedürfnisse und Erwartungen, wieder in den Fokus unseres Wirkungskreises zu stellen. Wir können nicht umhin, uns zumindest der Kritik an unseren Produkten hinsichtlich zunehmenden Innovations- und Ideenmangels offen zu stellen. Das Gros der derzeitigen Entertainmentprodukte sind Merchandisingartikel ohne nachhaltige Substanz. Wir benötigen endgültig mehr neue Gameskonzepte und mehr neue Musikprodukte, deren Künstler über das Debütalbum hinaus Bestand und Bedeutung haben. Auch der Handel ist aufgefordert, endlich umzudenken und Produkte nicht der tradierten Abteilungsstruktur zuzuordnen, sondern dort zu platzieren, wo sie von den jeweiligen Kundengruppen erwartet und gesucht werden.

Strukturelle Neugestaltung zugunsten von Entertainment eben auch in den Eingangsbereichen, um Jugendliche und jung Gebliebene in die Warenhäuser zurückzubekommen.Wir sollten die Chance nutzen, enger und synergetischer die Segmente Musik und Games miteinander zu verbinden. Die Stärken liegen einwandfrei in den Potenzialen, die aus Konkurrenten Partner werden lassen. Wir entwickeln und vermarkten Produkte für in vielen Fällen deckungsgleiche Zielgruppensegmente, deren Lifestylebedürfnis stetig zunimmt. Wir bedienen uns derselben Kommunikationskanäle und erfinden auch keine singulär relevanten Distributionsschienen neu. Allein, diese Gemeinsamkeiten werden derzeit noch zu selten an der entscheidenden Schnittstelle, der Produktentwicklung, zusammengeführt.

"Wir brauchen mehr positive Spannung"

Die rechtzeitige Integration in das Produktkonzept des Partners öffnet die Tür zur Entwicklung von ganzheitlichen Entertainmentkonzepten. Damit würden wir dem im Hardwaresegment klar erkennbaren Trend zum Premium-Home-Entertainment mit Dolby Surround und 16:9-Screens endlich auf der Softwareseite gerecht werden. Gemeinsam stellen wir das emotionale Bindeglied zwischen Consumer Electronics und den Konsumenten dar. Selbstreflektierend liegt hierin unstrittig die künftige Kernaufgabe für den gesamten Sony-Konzern. Es läge eine klassische Win-Win-Situation vor. Die Musik rückt dem interaktiven Erlebnis der Games näher, während sich die Gamesindustrie organisch beim notwendigen Imagewandel und Ringen um mehr gesellschaftliche Anerkennung durch die etablierte Musik unterstützen lassen kann.

Letztendlich müssten alle Konsolenhersteller im deutschsprachigen Raum dieser synergetischen Strategie entsprechen wollen, um den Konsolen den Weg von der Games- zur All-Entertainment-Plattform zu ebnen. Eine Positionierung, die u.a. in UK längst etabliert ist. In beiden Segmenten so deutlich hinter dem englischen Markt zurückzuliegen und den Abstand zu Frankreich, Spanien und Italien immer schwerer halten zu können, ist schlichtweg inakzeptabel. Gemessen an unserer Bevölkerungsgröße und an hiesigen Kaufkraftpotenzialen. Gemessen an unserem eigenen Anspruch.

Die Industriepartner beider Seiten können von einem Mehr an Kooperation ergo nur profitieren, denn ihre wichtigste Klientel, die Endverbraucher, bekommt endlich das Produktangebot, auf das sie schon lange wartet. Zugleich kommen wir alle dem Auftrag unserer Künstler und Entwickler nach, ihre Künste wieder mit Verstand und Herz auf den Markt zu bringen. Dies gelingt nur, wenn beide Seiten diesen Weg ausschließlich mit qualitativ hochwertigen Produkten beschreiten. Moderne Lifestyleprodukte, die für die Rückbesinnung auf Markenwerte, Markenqualität und Einhaltung von Markenversprechen stehen. Nur so lässt sich das Endverbrauchervertrauen in unsere Markenprodukte zurückgewinnen. Es ist an der Zeit, intensiver über kooperative Produktkonfigurationen und tragfähige Businessmodelle nachzudenken. Trotz dieser Kooperationsfelder werden ausreichend Wettbewerbspotenziale übrig bleiben. Wir benötigen mehr positive Spannung, um uns den Kernwerten deutscher Wirtschaftskraft zu widmen: Ärmel hoch und los! Denn: Entertainment lebt! Auch in Deutschland.

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