story.line: Volle Kontrolle

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Der margenfreundliche Zubehörmarkt ist in Bewegung. Die Anbieter haben ihr Portfolio füs kommende Weihnachtsgeschäft gehörig aufgestockt. Attraktive Nischenprodukte und günstige Angebote für den Massenmarkt kommen zuhauf. Derweil wittert der Handel zusätzliche Umsätze. Denn sinkende Konsolenpreise schrauben auch die Drehzahl für Controller & Co. wieder nach oben. Doch auch in diesem Segemtn spielen zugkräftige Lizenzen und Marken eine entscheidende Rolle.

Der Zubehörmarkt wird sich auch im Weihnachtsgeschäft 2003/2004 als attraktives Zusatzgeschäft zum margenarmen Softwarebereich positionieren - wenn nicht sogar mehr. Viele Händler stockten ihr Hardwareangebot schrittweise auf, die Nachfrage wird auch durch erweiterte Zielgruppen immer größer. Der Zusatzcontroller gerade im Konsolenbereich ist mittlerweile ein Muss. Auch beim Verkauf wird im Handel verstärkt darauf geachtet, Zubehör wie Controller und Memory Cards beim Hard- oder Softwarekauf gleich mit anzubieten. Dabei lassen die Anbieter und Hersteller den Handel mit neuen Produkten nicht im Regen stehen.

Das breiteste Line-up bietet NBG mit den Herstellern Mad Catz und den i2 studios. Entscheidender Erfolgsfaktor für Markus Biehl, Managing Director von NBG, ist die bestmögliche Vorbereitung auf den großen Ansturm. Optimale Abläufe in der Produktion sollen dafür sorgen, dass die Ware auch pünktlich eintrifft. Das mag trivial klingen, ist aber beim Run zu Weihnachten entscheidend. Eine Meinung, die auch Michael Eisenblätter, Geschäftsführer bei Jöllenbeck, teilt: "Pünktliche Lieferfähigkeit wird bei uns nicht nur am Ende des Jahres mit Priorität behandelt." Doch effiziente Produktionsabläufe werden im hart umkämpften Zubehörgeschäft nur das notwendige Rüstzeug bieten, über den Erfolg werden letztlich die richtige Strategie und ein perfekt ausbalanciertes Portfolio entscheiden. Zwei Trends zeichnen sich deutlich ab: zum einen der Drang nach Qualität und Marke, was den 1st-Party-Herstellern im Konsolenbereich zugute kommt. Zum anderen die allgegenwärtige Suche nach dem niedrigsten Preis, die Chance für die Third-Party-Hersteller.

Hochwertige und -preisige Produkte von Drittanbietern dürften wohl nur in zahlungskräftigen Nischen und im PC-Markt punkten können. Zudem ist in den engen Nischen selten Raum für mehrere Player, sodass sich hier bereits Platzhirsche etabliert haben. Guillemot setzt so mit seinem Thrustmaster-Label klar auf eine zahlungskräftige und höchst anspruchsvolle Kundschaft, für die der Preis Nebensache ist. Durch zugkräftige Lizenzen fühlt man sich in dem begrenzten Markt aber sichtlich wohl. Insgesamt ist die Entwicklung des Zubehörmarkts vom stetig zunehmenden Wettbewerb gekennzeichnet, der sich in verstärkten Grabenkämpfen um Marktanteile äußert. Denn viel größer ist der Kuchen im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland nicht geworden. Über die wirtschaftliche Entwicklung des Markts in den letzten Monaten sind sich die Player dabei aber uneinig. Alexander Faißt, PR-Manager bei den i2 Studios, ist vor dem Hintergrund des "steigenden Konsumenteninteresses an interaktiver Unterhaltung" noch nicht mit dem Zubehörgeschäft zufrieden. So mangelt es laut Faißt noch vielerorts am Aufbau eines positiven Markenimages. Er sieht das Unterscheidungskriterium in erster Linie in der Produktqualität und vertraut auf das Markenbewusstsein der Kunden. "Die Kunden interessieren sich mehr denn je für Games, aber sie erhalten von den meisten Third-Party-Zubehörherstellern keine ausreichenden Antworten auf ihre Wünsche", prangert Faißt die Innovationslosigkeit an.

Manfred Gerdes, Managing Director bei Sony Computer Entertainment Deutschland, ist mit dem diesjährigen Zubehörgeschäft hingegen zufrieden und spricht von einer Zuwachsrate von 25 Prozent von April bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Michael Eisenblätter sieht "dem Jahresende mit Freude entgegen" und ist auch mit den Umsätzen der vergangenen beiden Monate zufrieden. Bei Jöllenbeck hat gerade Microsofts Ausstieg aus dem Segment der PC-Controller laut Eisenblätter die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen. Ebenfalls profitiert man bei Jöllenbeck durch die Preissenkung beim GameCube. Als den entscheidenden Kick Off für das Weihnachtsgeschäft wertet Thomas Moss, Verkaufs- und Marketingleiter bei Vidis, die Games Convention. Durch den Enabler Leipzig hofft Moss, zumindest an die Vorjahreszahlen heranzukommen.

Boris Thoenissen, Brand Manager bei Bigben Interactive, hofft auch durch den N-Gage-Start auf Zuwächse. Carsten Weber, Product Manager Hardware bei Microsoft, argumentierte den Rückzug aus dem PC-Controller Segment mit fallenden Umsätzen im Gesamtmarkt. Die SideWinder-Produktreihe hatte man bei Microsoft im Juli dieses Jahres eingestellt. Stefan Wöger, Geschäftsführer Saitek Deutschland, ist mit der Entwicklung im Bereich der PC-Controller hingegen sehr zufrieden: "Der Auftragseingang für die Monate Oktober bis Dezember ist sehr viel versprechend." Über den Kampf zwischen First- und Third-Party-Produkten lässt Manfred Gerdes keinen Zweifel aufkommen. Er unterstreicht die Qualität der Sony-Produkte als Verkaufsargument und ortet gesunkene Preisdifferenzen zwischen den eigenen und Third-Party-Produkten. Eine Auffassung, die Alexander Faißt nicht teilt: "Durch die Preisreduzierung bei der Hardware gehen die Kunden beim Zubehörkauf noch preissensibler vor." Insgesamt dürfte also auch in diesem Weih-nachtsgeschäft das optimale Preis-Leistungs-Verhältnis die entscheidende Rolle spielen.

Dabei attestieren die Anbieter den Standardprodukten, wie eben Controllern, nach wie vor die besten Marktchancen, aber auch ausgefalleneres und trendiges Zubehör erwacht in Deutschland langsam aus dem Dornröschenschlaf. Sonys "EyeToy" und die Flut an Castingshows im TV hat eine Zielgruppe geweckt, die nun auch bei Tanzmatten und Karaoke zu klingelnden Kassen führen könnte. Besonders Logic3 setzt auf PlayStation-Tanzmatten, vom 14,95 Euro Einstiegsmodell bis hin zur 16 Kilo schweren Metallplattform. Auf starke Lizenzen setzen die i2 Studios und Guillemot.

Billigprodukte und High End gleichermaßen gefragt

Jöllenbeck konzentriert sich in erster Linie auf Controller für den PC, will aber auch die Konsolenprodukte nicht vernachlässigen. Stefan Wöger stellt "Unique Products", wie beispielsweise den Cyborg EVO Joystick, in die erste Reihe. Auch das Thema Wireless spielt beim Münchner Zubehörhersteller eine wichtige Rolle. Bei Vidis favorisiert man die hauseigenen Multiplattformlenkräder der "Booster"-Reihe zum Sparpreis. Auf breite Zustimmung stößt Nintendos Preissenkung bei den Zubehöranbietern. Eine Maßnahme, die auch in Deutschland wieder für Bewegung im Markt sorgen könnte. Schließlich ist gegenüber dem europäischen Ausland Nachholbedarf gegeben. Nicht nur den großen Konsolenbruder England gilt es einzuholen, die schlechte Wirtschaftslage hier zu Lande und die nach wie vor zurückhaltende Konsumhaltung lässt auch andere europäische Länder aufholen.

Verliert Deutschland den Anschluss?

Dazu stellt Ingo Hecking, Territory Manager Logic 3 fest: "Territorien wie Österreich und die Niederlande holen derzeit gegenüber Deutschland auf." Andreas Müller, Business Unit Manager bei Thrustmaster, sieht gravierende Unterschiede zwischen dem UK-Markt und Deutschland: "Während hier PC-Zubehör in den Verkaufszahlen ganz klar bei Thrustmaster dominiert, ist es in Großbritannien Konsolenzubehör, insbesondere für PS2 und Xbox." Thomas Moss macht die viel zitierte geringe Haushaltsabdeckung mit Konsolen in Deutschland für die schwierige Marktlage verantwortlich, allerdings nicht ohne auf den berühmten Hoffnungsschimmer am Horizont zu verweisen: "Die kommenden Monate könnten der Anfang einer mehrjährigen Aufholjagd sein, besonders wenn sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland stabilisiert."

Bei Bigben ist man mit der Entwicklung in den europäischen Territorien insgesamt zufrieden und sieht kaum Nachteile in Deutschland. Dazu Boris Thoenissen: "Die Kommunikation zwischen unseren Dependancen funktioniert sehr gut. Wir können auf jeden Markt individuell reagieren. Zudem ist unsere Ware meistens multilingual, und somit kann bei veränderter Nachfrage die Ware unverzüglich zwischen den verschiedenen Territorien ausgetauscht werden, um Lieferengpässe zu vermeiden." Mit Zuversicht sieht man auch bei Jöllenbeck der Entwicklung auf dem deutschen Markt entgegen. Eisenblätter rechnet mit einer "erheblichen Verbesserung" des Ergebnisses. "Noch lange nicht zufrieden" ist Markus Biehl mit der Entwicklung des deutschen Markts im Vergleich zum europäischen Ausland. Für Biehl ist offensichtlich, dass der Markt hierzulande noch nicht die Rolle spielt, die er aufgrund der Bevölkerungszahl haben müsste. Einig sind sich alle Anbieter darin, dass Schwarzmalerei falsch ist. Denn gerade der Zubehörmarkt könnte für die nötigen Impulse im Weihnachtsgeschäft sorgen. Die Anbieter sind gerüstet.

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