test.drive: "Beyond Good & Evil"

test.drive: "Beyond Good & Evil"
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Mit seinem neuesten Streich liefert "Rayman"-Erfinder Michel Ancel nach drei Jahren Entwicklungszeit ein episches Meisterwerk, das vor allem wegen seiner abwechslungsreichen Gameplayvarianten begeistert.

Die ehemals friedliche Welt wird vom Krieg gegen die Dom'Z gebeutelt - eklige Knochenmonster, die aus dem All einfallen und die Schutzschilde von Hyllis' Städten durchbrechen. Schutz gegen die Invasion verspricht allein ein straff organisierter Militärstaat, der mit penetranter Propaganda Bürger zum Eintritt in die geheimnisumwitterte Eliteeinheit Alpha bewegen will. Nur gut, dass Hauptcharakter Jade eine aufgeklärte und verwegene Reporterin ist und gemeinsam mit ihrem erfinderischen Onkel den Militärs und Dom'Z auf die Pelle rückt. Das Entwicklerteam paart klassische Adventure-Elemente mit Actioneinlagen - als Sahnehäubchen gibt es eine virtuelle Fotosafari, wie man sie seit "Pokémon Snap" nicht mehr gesehen hat. Wann immer Jade und Onkelchen unterwegs sind, zückt die engagierte Journalistin ihre Kamera, um Beweise gegen die skrupellosen Machthaber zu sammeln. Je mehr Fotos, desto mehr entgeisterte Bürger schließen sich mit Schildern und drohenden Fäusten den Protestmärschen gegen die Regierung an.

Jade und ihr Partner zeigen sich erfinderisch: An Bord von Pey'js urigem Hovercraft tuckert sie über Hyllis' Meere, um Städte, Shops, verborgene Höhlen, stillgelegte Industriegelände und Fabriken zu erreichen. Dort sammelt der Spieler Gegenstände ein, vertrimmt freche Dom'Z-Monster mit harten Stockschlägen oder schleicht sich vor den schwer gerüsteten Muskelpaketen des Alpha-Teams davon. Kinofreife Inszenierung, vorbildliche Synchro, zeitloses Leveldesign, rasante Rennspieleinlagen und eine Atmosphäre, die nicht von dieser Welt ist: eine lange Liste von Superlativen für ein Action-Adventure der Superlative.

Fazit: Bei diesem Spiel wurde einfach alles richtig gemacht: Cut-Scenes und Dialoge sind nicht nur fantastisch vertont, sondern außerdem so nahtlos ins Spielgeschehen integriert, dass der Spieler das Gefühl hat, der Hauptakteur in einem spannenden Hollywood-Abenteuer zu sein. Zwar ist der Begriff "Interactive Movie" durch das Render-Gemurkse der CD-ROM-Frühzeit schon fast zum Schimpfwort verkommen, aber "Beyond Good & Evil" definiert das Genre des interaktiven Films neu - und zeigt, worauf es dabei ankommt: Schnitt, Dramaturgie, Charaktere, Mimik, und obendrein muss alles aus einem Guss sein. Michel Ancel verdient sich einmal mehr Designerlorbeeren und beweist zudem echte Regisseursqualitäten. Einzig die unverschämt großen Cinemascope-Balken und das Fehlen eines echten 16:9-Modus stoßen Highend-Freunden sauer auf. Ansonsten ist "Beyond Good & Evil" ein großer Wurf!

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