"Transformers": Kampfmaschinen aus dem Kinderzimmer

"Transformers": Kampfmaschinen aus dem Kinderzimmer
© None

Gewöhnlich richtet sich Software mit Spielzeuglizenz an eine junge Zielgruppe. Doch Ataris "Transformers" weckt mit krachiger Action und kultigen Charakteren die Nostalgie und Neugier des erwachsenen Spielepublikums.

Verkehrte Welt: Vor vier Jahren veröffentlichte Hasbro über seine Interactive-Tochter Neuauflagen altbackener Atari-Klassiker, heute bedient Atari den Videospielmarkt mit der Versoftung einer angestaubten Hasbro-Marke. Das Spielzeug, das am 10. Mai seine polygonale Auferstehung feiern wird, nennt sich "Transformers" und geriet in den Achtzigern zum Sinnbild pädagogischer Wertlosigkeit. hässliche Roboter aus knallbunter Plastik, schwer bewaffnet mit Laserkanonen oder Raketenwerfern und wegen des namensgebenden Kniffs unförmig, aber gelenkig. Mit ein paar geschickten Handgriffen konnte man die zweibeinige Kampfmaschine je nach Sorte in einen Truck, Panzer, Helikopter oder Sportwagen verwandeln.

Nachdem unter Hasbro die zweite "Transformers"-Generation, "Beast Wars", dank grottenschlechter PSone-, PC- und N64-Titel digital beerdigt wurde, wagt sich Atari nun an eine Umsetzung der aktuellen "Transformers"-Linien "Energon" und "Armada", die dank Comic und TV-Serie zumindest in den USA Popularität genießen. Mit der heiklen Aufgabe, ein paar unförmige Plastikkameraden in ein spielerisch erquickliches Gewand zu kleiden, wurde Ataris australisches Studio Melbourne House ("Men In Black II") betraut. Da die Traditionsentwickler ihr Handwerk beherrschen, dürfen sich PlayStation-2-Besitzer auf das erste lohnenswerte Spiel mit den gelenkigen Kolossen freuen. Allerdings darf der Spieler nur in die Blechhülle der guten "Transformers"-Vertreter schlüpfen, der Autobots.

Als Optimus Prime, Hot Shot oder Red Alert wird der ewige Kampf gegen die bösen Decepticons aufgenommen. Megatron, Cyclonus oder Tidal Wave dienen in den acht Missionen nur als übermächtige Endgegner; die Rolle des namenlosen Kanonenfutters ist einer Heerschar von Robotern und weiteren Mechanokampfmaschinen zugedacht. Der Spieler ballert sich nicht grundlos durch riesengroße Level, vom Amazonas bis zur Antarktis: Etliche Zwerg-"Transformers", so genannte Minicons, müssen gefunden und mit Waffengewalt aus den Klauen der bösen Roboter befreit werden. Die Objekte der Sammelbegierde dienen auch als Power-ups: Der Autobot lässt sich mit bis zu vier Minicons (die z. B. Schutzschilde, Lenkraketen oder Unsichbarkeit verleihen) ausrüsten, womit etwas Strategie in die atemlose Third-Person-Ballerei kommt.

Ein weiteres taktisches Element ist die Verwandlungsfähigkeit des "Transformers": Auf Knopfdruck wechselt der Spieler in die Fahrzeugform: als Truck oder Krankenwagen werden Schluchten übersprungen oder Gruppen gegnerischer Roboter niedergewalzt. Datacons sind ein weiterer Reiz, die wunderschönen Landschaften zu durchforsten. Diese versteckten Items schalten Bonusmaterial wie Artwork und Videos frei. Der Lizenz zum Trotz ist "Transformers" alles andere als ein Kinderspiel oder ein Budgetprodukt, dessen Lebensberechtigung sich allein aus dem Titel ableitet. Atari ist es gelungen, den ewigen Kampf zwischen gutem und bösem Plastik als frisches Actionerlebnis zu inszenieren. Daran hätte sich Lego ein Beispiel nehmen können.

Read more