Wettstreit der Marketingstrategen
Insbesondere für die Plattformanbieter war die GC der Startschuss für das wichtige Saisongeschäft. Zumindest vorläufig wird der Machtkampf nicht über den Preis, sondern über das Marketing ausgetragen. Entertainment, Community und Connectivity sind die Schlagwörter, mit denen sich die Hersteller unterscheiden wollen, und die sie dennoch einen.
Eine Messe, drei Gewinner. So und nicht anders lautet das Fazit der GC für den Konsolenmarkt, werden die Aussagen der Plattformanbieter Sony Computer Entertainment, Microsoft und Nintendo nebeneinander gestellt. "Die Verkaufszahlen im Hard- und Softwarebereich übertreffen unsere Erwartungen", bilanzierte Manfred Gerdes, Geschäftsführer SCE Deutschland, die GC. 650.000 PS2-Konsolen und 800.000 Softwaretitel wurden seinen Aussagen zufolge auf der Messe geordert. Wobei die Softwarezahlen lediglich die First-Day-Order neuer Veröffentlichungen widerspiegelt. "Sowohl Gamer als auch der Handel konnten sich davon überzeugen, dass Xbox Live und somit die Xbox-Online-Community das ultimative Videospielerlebnis der Zukunft darstellt", resümiert auch Hans Stettmeier, Director Home and Retail Division bei Microsoft Deutschland, zufrieden den Messeverlauf. Genaue Reinverkaufszahlen wollte Stettmeier nicht nennen. "So viel kann jedoch gesagt werden: Der Handel wird zu diesem Weihnachtsgeschäft in noch stärkerem Umfang auf Xbox und Xbox Live setzen", so Stettmeier mit Blick auf die vermutlich große Einkaufslust seitens des Handels.
Und auch Axel Herr, Managing Director Sales/Marketing Germany bei Nintendo of Europe, war vom Auftritt in Leipzig mehr als begeistert: "Die GC ist Europas größtes und wichtigstes Messeevent im Gamingbereich." Gerade die Symbiose aus Handelsauftritt und Publikumsevent macht für Herr den Reiz der Messe aus. Konkrete Orderzahlen nannte auch er nicht. Doch Reinverkauf ist bekanntlich nur die halbe Miete im Spielegeschäft. Nur wer auch den Abverkauf sicherstellt, kann Marktanteile gutmachen. Und dafür gibt es verschiedene Wege. Zumindest auf der GC wurde die nie verhallende Forderung der Third Partys und des Handels nach niedrigeren Hardwarepreisen nicht erfüllt.
Stattdessen nutzten alle drei Konsolenhersteller die neue Leitmesse als Startschuss für Veränderungen in der Zielgruppenansprache. SCED verabschiedet sich von "The Third Place" und fragt stattdessen: "Fun, anyone?" Microsoft rückt von "Play more" ab und stellt die Aussage "It's good to play together" in den Vordergrund. Und Nintendo setzt, ohne neuen Leitspruch, auf das Thema Connectivity zwischen GameCube und Game Boy Advance. Augenscheinlich wählen die drei Kontrahenten also mit dem Spaßfaktor, dem Geselligkeitsfaktor bzw. dem Kompatibilitätsfaktor zweier Geräte eine unterschiedliche Zielgruppenansprache.
Im Konsolenalltag gehören alle drei jedoch zusammen: Spaß in Gesellschaft, der durch die Vernetzung mit anderen Geräten erhöht wird. Was bleibt, ist einmal mehr die Software, die ebenfalls im Saisonfinale den feinen Unterschied ausmachen soll. Und da die Pipelines bei allen drei Plattformanbietern qualitativ und quantitativ gut gefüllt sind, ist der Herbst viel versprechend. Es bleibt zu wünschen, dass alle drei nicht nur aus der Messe, sondern auch aus dem Saisongeschäft als Gewinner hervorgehen. Denn dann wäre die lang ersehnte Markterweiterung geschafft, von der alle Beteiligten profitieren. Andernfalls könnten jedoch wie im vergangenen Jahr Preis und Bundles wieder in den Mittelpunkt der Abverkaufsstrategie rücken.